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Kurs 2 · Gottesdienst

Der Tayammum

التَّيَمُّمُ


Wer kein Wasser findet oder es nicht benutzen kann, reinigt sich mit Erde. Der Tayammum ersetzt beide Reinigungen – Wuḍūʾ und Ghusl – und ist so einfach, wie der Prophet ﷺ es ʿAmmār gezeigt hat: mit den Händen auf die Erde, Gesicht und Handflächen streichen. Der Madhhab sagt: Der Tayammum „erlaubt“ das Gebet, er „hebt“ den Ḥadath nicht auf. Deshalb endet er, sobald Wasser da ist oder die Gebetszeit vorbei.

التَّيَمُّمُ
Der Tayammum
مُبِيحٌ لِلصَّلَاةِ وَلَيْسَ رَافِعًا لِلْحَدَثِ – erlaubt das Gebet, hebt den Ḥadath nicht auf
فُرُوضُهُ
Seine Pflichtteile
vier
  1. 1
    مَسْحُ الْوَجْهِ
    Das Gesicht streichen
  2. 2
    مَسْحُ الْكَفَّيْنِ
    Die Handflächen streichen
    nur bis zum Handgelenk
  3. 3
    التَّرْتِيبُ
    Die Reihenfolge
    beim kleinen Ḥadath
  4. 4
    الْمُوَالَاةُ
    Ohne Unterbrechung
    beim kleinen Ḥadath
وَاجِبُهُ
Seine Pflicht
  1. 5
    التَّسْمِيَةُ
    Bismillāh sagen
شُرُوطُهُ
Seine Bedingungen
vier
  1. 6
    الْعَجْزُ عَنِ الْمَاءِ بَعْدَ طَلَبِهِ
    Kein Wasser – nachdem man gesucht hat
    كُلِّيٌّ – gar keins · جُزْئِيٌّ – zu wenig für den Wuḍūʾ
  2. 7
    دُخُولُ وَقْتِ الصَّلَاةِ
    Die Gebetszeit hat begonnen
  3. 8
    النِّيَّةُ
    Die Absicht
    wofür: Pflicht- oder freiwilliges Gebet · wovon: großer Ḥadath, kleiner Ḥadath, Najāsa am Körper, die man nicht abwaschen kann
  4. 9
    كَوْنُهُ بِتُرَابٍ طَهُورٍ لَهُ غُبَارٌ
    Reine Erde, die Staub abgibt
مُبْطِلَاتُهُ
Was ihn beendet
drei
  1. 10
    وُجُودُ الْمَاءِ
    Wasser ist da
  2. 11
    خُرُوجُ الْوَقْتِ
    Die Gebetszeit ist vorbei
  3. 12
    مُبْطِلَاتُ الْوُضُوءِ
    Alles, was den Wuḍūʾ aufhebt

Die Begriffe

مُبِيحٌ لَا رَافِعٌ
Erlaubend, nicht aufhebend

Die Position des Madhhab: Der Tayammum macht den Ḥadath nicht weg, er erlaubt nur das Gebet trotz Ḥadath. Daraus folgt: für jede Gebetszeit ein neuer Tayammum, und sobald Wasser da ist, ist er vorbei.

صَعِيدٌ طَيِّبٌ
Reine Erde

Erde, Sand oder Staub, die rein sind und Staub an den Händen hinterlassen. Nach dem Madhhab genügt ein glatter Stein nicht – es muss Staub sein.

بَعْدَ طَلَبِهِ
Nach dem Suchen

Man darf nicht einfach annehmen, dass kein Wasser da ist – man muss in der Nähe gesucht oder gefragt haben. Wer im Auto sitzt und den Wasserkanister im Kofferraum vergisst, hat nicht gesucht.

Die Belege

  • Die Erlaubnis

    ﴿فَلَمْ تَجِدُوا مَاءً فَتَيَمَّمُوا صَعِيدًا طَيِّبًا فَامْسَحُوا بِوُجُوهِكُمْ وَأَيْدِيكُمْ مِنْهُ﴾

    „… und ihr findet kein Wasser, dann sucht reine Erde und streicht damit über eure Gesichter und Hände.“

    المائدة ٦

  • Wie man es macht

    «إِنَّمَا كَانَ يَكْفِيكَ أَنْ تَضْرِبَ بِيَدَيْكَ الْأَرْضَ ثُمَّ تَنْفُخَ، ثُمَّ تَمْسَحَ بِهِمَا وَجْهَكَ وَكَفَّيْكَ»

    „Es hätte dir genügt, mit deinen Händen auf die Erde zu schlagen, dann zu blasen und damit dein Gesicht und deine Handflächen zu streichen.“ – zu ʿAmmār, der sich im Sand gewälzt hatte

    متفق عليه

  • Ersatz auch für den Ghusl

    «الصَّعِيدُ الطَّيِّبُ وَضُوءُ الْمُسْلِمِ وَإِنْ لَمْ يَجِدِ الْمَاءَ عَشْرَ سِنِينَ، فَإِذَا وَجَدَ الْمَاءَ فَلْيُمِسَّهُ بَشَرَتَهُ»

    „Reine Erde ist die Reinigung des Muslims, auch wenn er zehn Jahre kein Wasser findet. Findet er Wasser, soll er es an seine Haut bringen.“

    أبو داود والترمذي

Kein Wasser nach Suchen, Zeit ist da, Absicht, Erde mit Staub – Gesicht und Hände. Und sobald Wasser kommt, ist es vorbei.

Prüfe dich selbst

6 Fragen zu diesem Blatt. Nichts wird gespeichert.

  1. 1. Was sagt der Madhhab über die Wirkung des Tayammum?

  2. 2. Welche Glieder werden beim Tayammum gestrichen?

  3. 3. Was beendet den Tayammum laut Blatt NICHT?

  4. 4. Jemand sitzt im Auto, sagt „kein Wasser da“ und macht Tayammum – der Kanister liegt im Kofferraum. Was gilt?

  5. 5. Welche Erde genügt nach dem Madhhab für den Tayammum?

  6. 6. Was ist laut Lehrhinweis in Deutschland der häufigste Grund für Tayammum?

Für den Unterricht

  • Den Tayammum einmal vormachen – er dauert fünf Sekunden, und viele haben ihn noch nie gesehen.
  • Der Fall aus der Praxis in Deutschland ist selten Wassermangel, sondern Krankheit: Wasser schadet der Wunde oder der Haut. Das gehört ebenfalls unter „nicht benutzen können“.
  • Die Nuance „erlaubend, nicht aufhebend“ als Madhhab-Position kennzeichnen; andere Gelehrte urteilen anders, für die Praxis ändert es nur, ob man für jede Gebetszeit neu tayammum macht.

Nach dem Programm des معهد الإمام البهوتي, فقه العبادات, S. 22