Kurs 2 · Gottesdienst
Der Beischlaf im Ḥajj
أَثَرُ الْجِمَاعِ عَلَى الْحَجِّ
Der Beischlaf ist das schwerste Verbot des Iḥrām, und seine Folge hängt vom Zeitpunkt ab. Am zehnten Tag verlässt der Pilger den Iḥrām in zwei Stufen: Nach zwei von drei Handlungen – Steinigen, Rasieren, Ṭawāf mit Saʿy – ist alles wieder erlaubt außer den Frauen. Nach der dritten ist auch das erlaubt. Vor der ersten Stufe verdirbt der Beischlaf den Ḥajj: Man muss ihn dennoch zu Ende führen, ein Kamel opfern und im nächsten Jahr wiederholen. Zwischen den Stufen: ein Schaf. Danach: nichts – nur der Ghusl.
- 1يَفْسُدُ الْحَجُّDer Ḥajj ist verdorben
- 2عَلَيْهِ بَدَنَةٌEr schuldet ein Kamel
- 3وَيَلْزَمُهُ إِكْمَالُهُEr muss ihn dennoch vollendenalle Riten bis zum Ende, als wäre er gültig
- 4يَلْزَمُهُ قَضَاؤُهُ الْعَامَ الْمُقْبِلَEr muss ihn im nächsten Jahr wiederholen
- 5عَلَيْهِ شَاةٌEr schuldet ein Schafder Ḥajj bleibt gültig
- 6لَيْسَ عَلَيْهِ شَيْءٌNichtsnur der Ghusl wie sonst auch
Die Begriffe
Am Opfertag tut der Pilger drei Dinge: die große Säule steinigen, sich rasieren, den Ṭawāf mit Saʿy verrichten. Nach zweien davon ist er „zur Hälfte draußen“ – Kleidung, Duft, Nägel sind erlaubt, die Frauen nicht. Nach dem dritten ist er ganz draußen.
Ein Kamel – oder ein Rind – als Opfer. Die schwerste Buße im Ḥajj, für den schwersten Verstoß. Sie wird in Mekka geschlachtet und an die Armen verteilt.
Die Besonderheit des Ḥajj: Anders als das Gebet bricht man ihn nicht ab. Wer ihn verdorben hat, führt alle Riten zu Ende, als wäre nichts geschehen – und kommt im nächsten Jahr wieder. So haben es die Gefährten entschieden.
Die Belege
Das Verbot
﴿فَمَن فَرَضَ فِيهِنَّ الْحَجَّ فَلَا رَفَثَ وَلَا فُسُوقَ وَلَا جِدَالَ فِي الْحَجِّ﴾
„Wer in ihnen den Ḥajj auf sich nimmt, für den gibt es keinen Beischlaf, keinen Frevel und keinen Streit im Ḥajj.“
البقرة ١٩٧
Die erste Entlassung
«إِذَا رَمَيْتُمُ الْجَمْرَةَ فَقَدْ حَلَّ لَكُمْ كُلُّ شَيْءٍ إِلَّا النِّسَاءَ»
„Wenn ihr die Säule gesteinigt habt, ist euch alles erlaubt außer den Frauen.“
أبو داود
Vollenden und wiederholen
«يَمْضِيَانِ لِوَجْهِهِمَا حَتَّى يَقْضِيَا حَجَّهُمَا، وَعَلَيْهِمَا الْحَجُّ مِنْ قَابِلٍ وَالْهَدْيُ»
Ibn ʿUmar über ein Paar, das im Iḥrām zusammen war: „Sie gehen ihren Weg weiter, bis sie ihren Ḥajj vollendet haben, und schulden den Ḥajj im nächsten Jahr und ein Opfertier.“
مالك في الموطأ
Vor der ersten Entlassung: verdorben, Kamel, vollenden, wiederholen. Dazwischen: ein Schaf. Danach: nichts.
Prüfe dich selbst
5 Fragen zu diesem Blatt. Nichts wird gespeichert.
1. Welche drei Handlungen gehören zur Entlassung aus dem Iḥrām (مَنَاسِكُ التَّحَلُّلِ)?
2. Wann ist die erste Entlassung (التَّحَلُّلُ الْأَوَّلُ) erreicht?
3. Was gilt bei Beischlaf vor der ersten Entlassung?
4. Was gilt bei Beischlaf zwischen der ersten und der zweiten Entlassung?
5. Was ist die Besonderheit des verdorbenen Ḥajj im Vergleich zum Gebet?
Für den Unterricht
- Die drei Handlungen des Opfertags als Zähler an der Tafel: zwei davon – erste Entlassung, drei – zweite. Dann die drei Zeitpunkte des Blattes einordnen.
- Für Ehepaare in der Reisegruppe klar sagen: Bis zum Ṭawāf der Rückkehr keine Berührung mit Begierde – das ist die häufigste Unsicherheit.
- Die Regel „vollenden, obwohl verdorben“ als Besonderheit des Ḥajj hervorheben; sie zeigt, wie ernst der Ritus genommen wird.
Nach dem Programm des معهد الإمام البهوتي, فقه العبادات, S. 78