Kurs 6 · Methodenlehre
Uneingeschränkt und eingeschränkt
الْمُطْلَقُ وَالْمُقَيَّدُ
Ein uneingeschränktes Wort meint irgendeine Einheit einer Gattung, ohne nähere Bestimmung – „einen Sklaven freilassen“. Ein eingeschränktes Wort fügt eine Eigenschaft hinzu – „einen gläubigen Sklaven“. Die Kernfrage lautet: Wenn dasselbe Thema an einer Stelle uneingeschränkt und an einer anderen eingeschränkt vorkommt, gilt dann die Einschränkung auch für die erste Stelle? Das Heft beantwortet es in vier Fällen und fasst es in einer einfachen Regel zusammen.
- 1مُوَافِقٌ لِلْمُطْلَقِ فِي الْحُكْمِ وَالسَّبَبِ: يُقَيَّدُGleiches Urteil, gleicher Anlass: wird eingeschränkt
- 2مُخَالِفٌ لِلْمُطْلَقِ فِي الْحُكْمِ وَالسَّبَبِ: لَا يُقَيَّدُAnderes Urteil, anderer Anlass: wird nicht eingeschränkt
- 3مُوَافِقٌ فِي الْحُكْمِ لَا السَّبَبِ: يُقَيَّدُ عِنْدَ الْجُمْهُورِGleiches Urteil, anderer Anlass: eingeschränkt – nach der Mehrheit
- 4مُوَافِقٌ فِي السَّبَبِ دُونَ الْحُكْمِ: لَا يُقَيَّدُ عِنْدَ الْجُمْهُورِGleicher Anlass, anderes Urteil: nicht eingeschränkt – nach der Mehrheit
Die Begriffe
Es meint eine beliebige Einheit einer Gattung: „Befreit einen Sklaven“ – jeder Sklave genügt. Es unterscheidet sich vom allgemeinen Wort, das alle Einheiten zugleich umfasst.
Es meint eine bestimmte Einheit oder eine mit einer zusätzlichen Eigenschaft: „einen gläubigen Sklaven“.
Die Einschränkung aus einem Text wird auf den uneingeschränkten Text übertragen. Beispiel für gleiches Urteil, anderer Anlass: Bei der Sühne für Totschlag heißt es „gläubiger Sklave“, bei der Sühne für den Ẓihār nur „Sklave“ – nach der Mehrheit muss er auch dort gläubig sein.
Urteil ist das Geforderte (etwa einen Sklaven freilassen), Anlass ist das, was es auslöst (Totschlag, Eid, Ẓihār). Nach der Zusammenfassung im Heft entscheidet allein die Gleichheit im Urteil.
Gleiches Urteil – dann einschränken; anderes Urteil – dann nicht.
Prüfe dich selbst
6 Fragen zu diesem Blatt. Nichts wird gespeichert.
1. Was ist الْمُطْلَقُ?
2. Gleiches Urteil, gleicher Anlass – was gilt?
3. Gleicher Anlass, aber anderes Urteil – was gilt nach der Mehrheit?
4. Wie lautet die Zusammenfassung (الْخُلَاصَةُ) im Heft?
5. Wie viele Fälle unterscheidet das Heft beim Verhältnis von Eingeschränktem und Uneingeschränktem?
6. Worin liegt der Unterschied zwischen „allgemein/besonders“ und „uneingeschränkt/eingeschränkt“?
Für den Unterricht
- Beispiel für gleichen Anlass, anderes Urteil: Beim Wudu „Hände bis zu den Ellbogen“, beim Tayammum nur „Hände“ – das Tayammum wird nicht bis zum Ellbogen ausgedehnt. Das Beispiel ist eine eigene Ergänzung.
- Den Unterschied zu Blatt 19–20 klären: Allgemein/besonders betrifft den Umfang (alle oder einige), uneingeschränkt/eingeschränkt betrifft die Eigenschaften einer beliebigen Einheit.
- Die Zusammenfassung im Schriftrollen-Kasten auswendig lernen lassen.
Nach dem Programm des معهد الإمام البهوتي, أصول الفقه, S. 76