Berliner Muslime

Die Lehrtexte des Wissensstudenten – Fünfte Stufe · Kapitel 9 von 35

Die der Edition zugrunde gelegten Handschriften

Die der Edition zugrunde gelegten Handschriften

Bei der Edition des Gedichts habe ich mich auf vierzehn Handschriften gestützt, die ich nach ihrem Abschreibedatum wie folgt geordnet habe:

1 – Eine Handschrift in der Zahiriyya-Bibliothek – in Damaskus – unter der Nummer (3235, Adab), enthalten im Buch „Nathr an-nazm wa-hall al-aqd“ von Abu Mansur ath-Tha'alibi, von Blatt (117a) bis Blatt (120b). Abschreibedatum: (422 n. d. H.).

2 – Eine Handschrift in der Bibliothek Yeni Cami, die zur Süleymaniye-Bibliothek in Istanbul – Türkei – gehört, unter der Nummer (1188), enthalten im Buch „Nathr an-nazm wa-hall al-aqd“, von Blatt (60b) bis Blatt (62b). Abschreibedatum: (634 n. d. H.).

3 – Eine Handschrift in der Chester-Beatty-Bibliothek – Irland – unter der Nummer (4780). Abschreibedatum: (721 n. d. H.).

4 – Eine Handschrift in der Bibliothek As'ad Efendi, die zur Süleymaniye-Bibliothek in Istanbul – Türkei – gehört, unter der Nummer (3766/4). Abschreibedatum: (727 n. d. H.).

5 – Eine Handschrift in der Chester-Beatty-Bibliothek – Irland – unter der Nummer (5207). Das Abschreibedatum wird nicht genannt; an ihrem Ende steht jedoch ein Vermerk mit dem Datum: (744 n. d. H.).

6 – Eine Handschrift in der Bibliothek des Escorial – Spanien – unter der Nummer (167). Abschreibedatum: (763 n. d. H.).

7 – Eine Handschrift in der Timuriyya-Bibliothek – Ägypten – unter der Nummer (Sammelband 6), enthalten im Kommentar zu „Nuqrat Kar“. Abschreibedatum: (824 n. d. H.).

8 – Eine Handschrift in der Bibliothek As'ad Efendi, die zur Süleymaniye-Bibliothek in Istanbul – Türkei – gehört, unter der Nummer (2756), enthalten im Kommentar zu „Nuqrat Kar“. Abschreibedatum: (899 n. d. H.).

9 – Eine Handschrift in der Staatsbibliothek zu Berlin unter der Nummer (or3008), enthalten im Buch „I'rab al-Qasa'id ath-Thalath wa-Idah Ghawamid al-Abhath“ („Die grammatische Analyse der drei Gedichte und die Erläuterung der dunklen Stellen der Untersuchungen“) von Abu Abdillah an-Najati, von Blatt (5a) bis Blatt (44a). Abschreibedatum: schätzungsweise das neunte Jahrhundert n. d. H.

10 – Eine Handschrift in der Bibliothek Lala Li, die zur Süleymaniye-Bibliothek in Istanbul – Türkei – gehört, unter der Nummer (759/3). Abschreibedatum: (970 n. d. H.).

11 – Eine Handschrift in der Bibliothek Fadil Ahmad Köprülü, die zur Süleymaniye-Bibliothek in Istanbul – Türkei – gehört, unter der Nummer (1627). Abschreibedatum: (979 n. d. H.).

12 – Eine Handschrift in der Bibliothek As'ad Efendi, die zur Süleymaniye-Bibliothek in Istanbul – Türkei – gehört, unter der Nummer (1695). Abschreibedatum: schätzungsweise das zehnte Jahrhundert.

13 – Eine Handschrift im König-Faisal-Zentrum in Riad – Saudi-Arabien –, unter der Nummer (10236-1); Abschriftsdatum: geschätzt das 10. Jahrhundert.

14 – Eine Handschrift in der Bibliothek Damad Ibrahim innerhalb der Süleymaniye-Bibliothek in Istanbul – Türkei –, unter der Nummer (878), enthalten im Buch „Tarich Dimaschq" von Ibn Asakir; Abschriftsdatum: geschätzt 1104 n. H.

Der Text wurde als Audioaufnahme eingesprochen; die Aufnahmen erscheinen über den folgenden QR-Code:

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Dichtung

١ – زِيَادَةُ الْمَرْءِ فِي دُنْيَاهُ نُقْصَانُ وَرِبْحُهُ غَيْرَ مَحْضِ الْخَيْرِ خُسْرَانُ

1 – Das Mehr eines Menschen in seinem diesseitigen Leben ist ein Weniger, und sein Gewinn, wenn er nicht reines Gut ist, ist ein Verlust.

Dichtung

٢ – وَكُلُّ وِجْدَانِ حَظٍّ لَا ثَبَاتَ لَهُ فَإِنَّ مَعْنَاهُ فِي التَّحْقِيقِ فِقْدَانُ

2 – Und jedes Erlangen eines Glücks, das keinen Bestand hat – seine Bedeutung ist in Wahrheit ein Verlust.

Dichtung

٣ – يَا عَامِراً لِخَرَابِ الدَّهْرِ مُجْتَهِداً بِاللَّهِ هَلْ لِخَرَابِ الْعُمْرِ عُمْرَانُ

3 – O du, der du dich bemühst, aufzubauen, was die Zeit zerstören wird – bei Allah, gibt es denn einen Wiederaufbau für den Verfall des Lebens?

Dichtung

٤ – وَيَا حَرِيصاً عَلَى الْأَمْوَالِ تَجْمَعُهَا أُنْسِيتَ أَنَّ سُرُورَ الْمَالِ أَحْزَانُ

4 – Und o du, der du gierig auf Reichtümer bist und sie anhäufst: Hast du vergessen, dass die Freude am Besitz Kummer ist?

Dichtung

٥ – زَعِ الْفُؤَادَ عَنِ الدُّنْيَا وَزِينَتِهَا فَصَفْوُهَا كَدَرٌ وَالْوَصْلُ هِجْرَانُ

5 – Halte das Herz fern von der Welt und ihrem Schmuck, denn ihre Klarheit ist Trübung, und ihre Nähe ist Trennung.

Dichtung

٦ – وَأَرْعِ سَمْعَكَ أَمْثَالاً أُفَصِّلُهَا كَمَا يُفَصَّلُ يَاقُوتٌ وَمَرْجَانُ

6 – Und leihe dein Ohr Sprichwörtern, die ich dir darlege, so wie Rubin und Koralle gefasst werden.

Dichtung

٧ – أَحْسِنْ إِلَى النَّاسِ تَسْتَعْبِدْ قُلُوبَهُمُ فَطَالَمَا اسْتَعْبَدَ الْإِنْسَانَ إِحْسَانُ

7 – Tu den Menschen Gutes, so gewinnst du ihre Herzen für dich, denn oft schon hat Güte einen Menschen zum Diener gemacht.

Dichtung

٨ – وَإِنْ أَسَاءَ مُسِيءٌ فَلْيَكُنْ لَكَ فِي عُرُوضِ زَلَّتِهِ صَفْحٌ وَغُفْرَانُ

8 – Und wenn ein Übeltäter Unrecht tut, so sei für dich beim Auftreten seines Fehltritts Nachsicht und Vergebung.

Dichtung

٩ – وَكُنْ عَلَى الدَّهْرِ مِعْوَاناً لِذِي أَمَلٍ يَرْجُو نَدَاكَ فَإِنَّ الْحُرَّ مِعْوَانُ

9 – Und sei im Lauf der Zeit ein Helfer für den, der hofft und auf deine Großzügigkeit baut, denn der Edle ist ein Helfer.

Dichtung

١٠ – وَاشْدُدْ يَدَيْكَ بِحَبْلِ اللَّهِ مُعْتَصِماً فَإِنَّهُ الرُّكْنُ إِنْ خَانَتْكَ أَرْكَانُ

10 – Und fasse mit beiden Händen fest das Seil Allahs und halte dich daran, denn es ist die Stütze, wenn andere Stützen dich im Stich lassen.

Dichtung

١١ – مَنْ يَتَّقِ اللَّهَ يُحْمَدْ فِي عَوَاقِبِهِ وَيَكْفِهِ شَرَّ مَنْ عَزُّوا وَمَنْ هَانُوا

11 – Wer Allah fürchtet, wird für den Ausgang seiner Dinge gepriesen, und Er bewahrt ihn vor dem Übel derer, die mächtig sind, und derer, die gering sind.

Dichtung

١٢ – مَنِ اسْتَعَانَ بِغَيْرِ اللَّهِ فِي طَلَبٍ فَإِنَّ نَاصِرَهُ عَجْزٌ وَخِذْلَانُ

12 – Wer bei einem Anliegen bei jemand anderem als Allah Hilfe sucht, dessen Helfer sind Ohnmacht und Im-Stich-gelassen-Werden.

Dichtung

١٣ – مَنْ كَانَ لِلْخَيْرِ مَنَّاعاً فَلَيْسَ لَهُ عَلَى الْحَقِيقَةِ إِخْوَانٌ وَأَخْدَانُ

13 – Wer dem Guten gegenüber verweigernd ist, der hat in Wahrheit weder Brüder noch Gefährten.

Dichtung

١٤ – مَنْ جَادَ بِالْمَالِ مَالَ النَّاسُ قَاطِبَةً إِلَيْهِ وَالْمَالُ لِلْإِنْسَانِ فَتَّانُ

14 – Wer großzügig mit dem Vermögen ist, zu dem neigen sich alle Menschen insgesamt, und das Vermögen ist für den Menschen eine Versuchung.

Dichtung

١٥ – مَنْ سَالَمَ النَّاسَ يَسْلَمْ مِنْ غَوَائِلِهِمْ وَعَاشَ وَهْوَ قَرِيرُ الْعَيْنِ جَذْلَانُ

15 – Wer mit den Menschen in Frieden lebt, bleibt vor ihren Tücken sicher und lebt mit froher Seele und heiterem Gemüt.

Dichtung

١٦ – مَنْ كَانَ لِلْعَقْلِ سُلْطَانٌ عَلَيْهِ غَدَا وَمَا عَلَى نَفْسِهِ لِلْحِرْصِ سُلْطَانُ

16 – Wer vom Verstand beherrscht wird, der wird so, dass die Gier keine Macht über seine Seele hat.

Dichtung

١٧ – مَنْ مَدَّ طَرْفاً لِفَرْطِ الْجَهْلِ نَحْوَ هَوًى أَغْضَى عَلَى الْحَقِّ يَوْماً وَهْوَ خَزْيَانُ

17 – Wer aus übergroßer Unwissenheit seinen Blick einer Neigung zuwendet, wird eines Tages die Augen vor der Wahrheit schließen müssen – und er ist beschämt.

Dichtung

١٨ – مَنْ عَاشَرَ النَّاسَ لَاقَى مِنْهُمُ نَصَباً لِأَنَّ سُوسَهُمُ بَغْيٌ وَعُدْوَانُ

18 – Wer mit den Menschen verkehrt, begegnet bei ihnen Mühsal, denn ihre Natur ist Überheblichkeit und Feindseligkeit.

Dichtung

١٩ – وَمَنْ يُفَتِّشْ عَنِ الْإِخْوَانِ يَقْلِهِمُ فَجُلُّ إِخْوَانِ هَذَا الدَّهْرِ خُوَّانُ

19 – Und wer nach Brüdern forscht, wird sie verabscheuen, denn die meisten Brüder dieser Zeit sind treulos.

Dichtung

٢٠ – مَنِ اسْتَشَارَ صُرُوفَ الدَّهْرِ قَامَ لَهُ عَلَى حَقِيقَةِ طَبْعِ الدَّهْرِ بُرْهَانُ

20 – Wer die Wechselfälle der Zeit befragt, dem erhebt sich ein Beweis für das wahre Wesen der Zeit.

Dichtung

٢١ – مَنْ يَزْرَعِ الشَّرَّ يَحْصُدْ فِي عَوَاقِبِهِ نَدَامَةً وَلِحَصْدِ الزَّرْعِ إِبَّانُ

21 – Wer das Böse sät, erntet am Ende Reue, und für die Ernte der Saat gibt es eine Zeit.

Dichtung

٢٢ – مَنِ اسْتَنَامَ إِلَى الْأَشْرَارِ نَامَ وَفِي قَمِيصِهِ مِنْهُمُ صِلٌّ وَثُعْبَانُ

22 – Wer sich den Bösen anvertraut und schläft, schläft, während in seinem Gewand von ihnen eine Viper und eine Schlange stecken.

Dichtung

٢٣ – كُنْ رَيِّقَ الْبِشْرِ إِنَّ الْحُرَّ هِمَّتُهُ صَحِيفَةٌ وَعَلَيْهَا الْبِشْرُ عُنْوَانُ

23 – Sei von frischer Heiterkeit, denn der Edle – sein Streben ist ein Blatt, und auf ihm ist die Heiterkeit die Überschrift.

Dichtung

٢٤ – وَرَافِقِ الرِّفْقَ فِي كُلِّ الأُمُورِ فَلَمْ
يَنْدَمْ رَفِيقٌ وَلَمْ يَذْمُمْهُ إِنْسَانُ

24 – Halte dich in allen Angelegenheiten an die Sanftmut: Nie hat ein Sanftmütiger es bereut, und kein Mensch hat ihn je getadelt.

Dichtung

٢٥ – وَلَا يَغُرَّنْكَ حَظٌّ جَرَّهُ خَرَقٌ
فَالْخُرْقُ هَدْمٌ وَرِفْقُ الْمَرْءِ بُنْيَانُ

25 – Lass dich nicht von einem Glück täuschen, das Unbesonnenheit herbeigeführt hat; denn Unbesonnenheit ist Zerstörung, die Sanftmut des Menschen aber ist Aufbau.

Dichtung

٢٦ – أَحْسِنْ إِذَا كَانَ إِمْكَانٌ وَمَقْدُرَةٌ
فَلَنْ يَدُومَ عَلَى الإِحْسَانِ إِمْكَانُ

26 – Tu Gutes, solange du die Möglichkeit und das Vermögen dazu hast; denn die Möglichkeit zum Wohltun währt nicht ewig.

Dichtung

٢٧ – فَالرَّوْضُ يَزْدَانُ بِالأَنْوَارِ فَاغِمَةً
وَالحُرُّ بِالفَضْلِ وَالإِحْسَانِ يَزْدَانُ

27 – Der Garten schmückt sich mit duftenden Blüten, und der Edle schmückt sich mit Großmut und Wohltun.

Dichtung

٢٨ – صُنْ حُرَّ وَجْهِكَ لَا تَهْتِكْ غِلَالَتَهُ
فَكُلُّ حُرٍّ لِحُرِّ الوَجْهِ صَوَّانُ

28 – Bewahre die Würde deines Gesichts und reiß ihre Hülle nicht auf; denn jeder Edle ist ein Hüter der Würde des Gesichts.

Dichtung

٢٩ – فَإِنْ لَقِيتَ عَدُوّاً فَالْقَهُ أَبَداً
وَالوَجْهُ بِالبِشْرِ وَالإِشْرَاقِ غَضَّانُ

29 – Und begegnest du einem Feind, so tritt ihm stets entgegen, das Gesicht frisch von Frohsinn und Strahlen.

Dichtung

٣٠ – دَعِ التَّكَاسُلَ فِي الخَيْرَاتِ تَطْلُبُهَا
فَلَيْسَ يَسْعَدُ بِالخَيْرَاتِ كَسْلَانُ

30 – Lass die Trägheit beim Streben nach dem Guten; denn ein Fauler wird durch das Gute nie glücklich.

Dichtung

٣١ – لَا ظِلَّ لِلْمَرْءِ يَعْرَى مِنْ تُقًى وَنُهًى
وَإِنْ أَظَلَّتْهُ أَوْرَاقٌ وَأَفْنَانُ

31 – Der Mensch, dem Gottesfurcht und Verstand fehlen, hat keinen Schatten, auch wenn Blätter und Zweige ihn überschatten.

Dichtung

٣٢ – وَالنَّاسُ أَعْوَانُ مَنْ وَالَتْهُ دَوْلَتُهُ
وَهُمْ عَلَيْهِ إِذَا عَادَتْهُ أَعْوَانُ

32 – Die Menschen sind Helfer dessen, dem das Glück zugetan ist; wendet es sich aber gegen ihn, werden sie zu Helfern gegen ihn.

Dichtung

٣٣ – «سَحْبَانُ» مِنْ غَيْرِ مَالٍ «بَاقِلٌ» حَصِرٌ
وَ«بَاقِلٌ» فِي ثَرَاءِ المَالِ «سَحْبَانُ»

33 – Ein „Sahban" (Inbegriff des Redners) ohne Vermögen ist ein „Baqil" (Inbegriff des Stammelnden) und verlegen, und ein „Baqil" im Reichtum des Besitzes ist ein „Sahban".

Dichtung

٣٤ – لَا تُودِعِ السِّرَّ وَشَّاءً بِهِ مَذِلاً
فَمَا رَعَى غَنَماً فِي الدَّوِّ سِرْحَانُ

34 – Vertraue ein Geheimnis keinem Zuträger an, der es ausplaudert; nie hat ein Wolf in der Wüste Schafe gehütet.

Dichtung

٣٥ – لَا تَحْسَبِ النَّاسَ طَبْعاً وَاحِداً فَلَهُمْ
غَرَائِزٌ لَسْتَ تُحْصِيهَا وَأَلْوَانُ

35 – Glaube nicht, die Menschen hätten alle ein und dasselbe Wesen; sie haben Veranlagungen, die du nicht zählen kannst, und vielerlei Färbungen.

Dichtung

٣٦ – مَا كُلُّ مَاءٍ كَصَدَّاءٍ لِوَارِدِهِ
نَعَمْ وَلَا كُلُّ نَبْتٍ فَهْوَ سَعْدَانُ

36 – Nicht jedes Wasser ist für den, der zu ihm kommt, wie die Quelle Saddā', und ebenso ist nicht jede Pflanze Sa'dān (das beste Weidekraut).

Dichtung

٣٧ – لَا تَخْدِشَنَّ بِمَطْلٍ وَجْهَ عَارِفَةٍ
فَالبِرُّ يَخْدِشُهُ مَطْلٌ وَلَيَّانُ

37 – Beschädige das Antlitz einer Wohltat nicht durch Hinhalten; denn die Güte wird durch Verzögern und Vertrösten verletzt.

Dichtung

٣٨ – لَا تَسْتَشِرْ غَيْرَ نَدْبٍ حَازِمٍ يَقِظٍ
قَدِ اسْتَوَى فِيهِ إِسْرَارٌ وَإِعْلَانُ

38 – Hole nur bei einem tatkräftigen, entschlossenen, wachen Mann Rat, in dem Verborgenes und Offenes einander gleichen.

Dichtung

٣٩ – فَلِلتَّدَابِيرِ فُرْسَانٌ إِذَا رَكَضُوا
فِيهَا أَبَرُّوا كَمَا لِلْحَرْبِ فُرْسَانُ

39 – Denn auch für kluge Planung gibt es Reiter: Wenn sie darin vorpreschen, gewinnen sie die Oberhand, so wie es für den Krieg Reiter gibt.

Dichtung

٤٠ – وَلِلأُمُورِ مَوَاقِيتُ مُقَدَّرَةٌ
وَكُلُّ أَمْرٍ لَهُ حَدٌّ وَمِيزَانُ

40 – Für die Dinge gibt es bemessene Zeiten, und jede Sache hat ihre Grenze und ihr Maß.

Dichtung

٤١ – فَلَا تَكُنْ عَجِلاً فِي الأَمْرِ تَطْلُبُهُ
فَلَيْسَ يُحْمَدُ قَبْلَ النُّضْجِ بُحْرَانُ

41 – Sei daher nicht voreilig in einer Sache, die du anstrebst; denn vor der Reife wird eine Krise nicht gelobt.

Dichtung

٤٢ – كَفَى مِنَ العَيْشِ مَا قَدْ سَدَّ مِنْ عَوَزٍ
فَفِيهِ لِلْحُرِّ قُنْيَانٌ وَغُنْيَانُ

42 – Vom Lebensunterhalt genügt, was die Not stillt; darin liegen für den Freien Besitz und Genügsamkeit.

Dichtung

٤٣ – وَذُو القَنَاعَةِ رَاضٍ مِنْ مَعِيشَتِهِ
وَصَاحِبُ الحِرْصِ إِنْ أَثْرَى فَغَضْبَانُ

43 – Der Genügsame ist mit seinem Auskommen zufrieden, der Gierige aber ist selbst dann zornig, wenn er reich wird.

Dichtung

٤٤ – حَسْبُ الفَتَى عَقْلُهُ خِلاًّ يُعَاشِرُهُ
إِذَا تَحَامَاهُ إِخْوَانٌ وَخُلَّانُ

44 – Dem jungen Mann genügt sein Verstand als Gefährte, mit dem er verkehrt, wenn Brüder und Freunde ihn meiden.

Dichtung

٤٥ – هُمَا رَضِيعَا لِبَانٍ: حِكْمَةٌ وَتُقًى
وَسَاكِنَا وَطَنٍ: مَالٌ وَطُغْيَانُ

45 – Zwei sind Milchgeschwister: Weisheit und Gottesfurcht; und zwei sind Bewohner derselben Heimat: Reichtum und Überheblichkeit.

Dichtung

٤٦ – إِذَا نَبَا بِكَرِيمٍ مَوْطِنٌ فَلَهُ
وَرَاءَهُ فِي بَسِيطِ الأَرْضِ أَوْطَانُ

46 – Wird einem Edlen eine Heimat unwirtlich, so hat er jenseits davon auf der weiten Erde andere Heimatländer.

Dichtung

٤٧ – يَا ظَالِماً فَرِحاً بِالعِزِّ سَاعَدَهُ
إِنْ كُنْتَ فِي سِنَةٍ فَالدَّهْرُ يَقْظَانُ

47 – Du Ungerechter, der sich über die Macht freut, die ihm beigestanden hat: Wenn du auch im Schlummer liegst, so ist die Zeit doch wach.

Dichtung

٤٨ – مَا اسْتَمْرَأَ الظُّلْمَ لَوْ أَنْصَفْتَ آكِلُهُ
وَهَلْ يَلَذُّ مَذَاقَ المَرْءِ خُطْبَانُ

48 – Wer das Unrecht verzehrt, fände es nicht bekömmlich, wenn du gerecht wärest; schmeckt denn dem Menschen Koloquinte?

Dichtung

٤٩ – يَا أَيُّهَا العَالِمُ المَرْضِيُّ سِيرَتُهُ
أَبْشِرْ فَأَنْتَ بِغَيْرِ المَاءِ رَيَّانُ

49 – Du Gelehrter von wohlgefälligem Lebenswandel, freue dich: Du bist auch ohne Wasser satt getränkt.

Dichtung

٥٠ – وَيَا أَخَا الجَهْلِ لَوْ أَصْبَحْتَ فِي لُجَجٍ
فَأَنْتَ مَا بَيْنَهَا لَا شَكَّ ظَمْآنُ

50 – Und du, Bruder der Unwissenheit: Wärest du mitten in tiefen Fluten, so bliebest du zwischen ihnen zweifellos durstig.

Dichtung

٥١ – لَا تَحْسَبَنَّ سُرُوراً دَائِماً أَبَداً
مَنْ سَرَّهُ زَمَنٌ سَاءَتْهُ أَزْمَانُ

51 – Glaube nie, die Freude währe immerfort: Wen eine Zeit erfreut hat, den haben andere Zeiten betrübt.

Dichtung

٥٢ – يَا رَافِلاً فِي الشَّبَابِ الوَحْفِ مُنْتَشِياً
مِنْ كَأْسِهِ هَلْ أَصَابَ الرُّشْدَ نَشْوَانُ

52 – Du, der du in üppiger Jugend stolzierst, berauscht von ihrem Becher: Hat je ein Trunkener das Rechte getroffen?

Dichtung

٥٣ – لَا تَغْتَرِرْ بِشَبَابٍ رَائِقٍ خَضِلٍ
فَكَمْ تَقَدَّمَ قَبْلَ الشِّيبِ شُبَّانُ

53 – Lass dich nicht täuschen von einer glänzenden, taufrischen Jugend; wie viele Jünglinge sind dem Ergrauen schon zuvorgegangen!

Dichtung

٥٤ – وَيَا أَخَا الشَّيْبِ لَوْ نَاصَحْتَ نَفْسَكَ لَمْ
يَكُنْ لِمِثْلِكَ فِي الإِسْرَافِ إِمْعَانُ

54 – Und du, Bruder des grauen Haares: Hättest du dir selbst aufrichtig geraten, gäbe es für einen wie dich kein beharrliches Verweilen im Übermaß.

Dichtung

٥٥ – هَبِ الشَّبِيبَةَ تُبْدِي عُذْرَ صَاحِبِهَا
مَا عُذْرُ أَشْيَبَ يَسْتَهْوِيهِ شَيْطَانُ

55 – Angenommen, die Jugend liefert ihrem Besitzer eine Entschuldigung: Welche Entschuldigung hat ein Ergrauter, den ein Satan betört?

Dichtung

٥٦ – كُلُّ الذُّنُوبِ فَإِنَّ اللَّهَ يَغْفِرُهَا
إِنْ شَيَّعَ المَرْءَ إِخْلَاصٌ وَإِيمَانُ

56 – Alle Sünden vergibt Allah, wenn Aufrichtigkeit und Glaube den Menschen geleiten.

Dichtung

٥٧ – وَكُلُّ كَسْرٍ فَإِنَّ الدِّينَ يَجْبُرُهُ
وَمَا لِكَسْرِ قَنَاةِ الدِّينِ جُبْرَانُ

57 – Jeden Bruch heilt die Religion; für den Bruch am Speerschaft der Religion aber gibt es keine Heilung.

Dichtung

٥٨ – خُذْهَا سَوَائِرَ أَمْثَالٍ مُهَذَّبَةٍ
فِيهَا لِمَنْ يَبْتَغِي التِّبْيَانَ تِبْيَانُ

58 – Nimm sie hin: weitverbreitete, geläuterte Sprichwörter, in denen für den, der Klarheit sucht, Erklärung liegt.

Dichtung

٥٩ – مَا ضَرَّ حَسَّانَهَا – وَالطَّبْعُ صَائِغُهَا –
إِنْ لَمْ يَصُغْهَا قَرِيعُ الشِّعْرِ «حَسَّانُ»

59 – Was schadet es ihrem Schönredner – die Natur ist ja ihr Goldschmied –, wenn nicht der Dichterfürst „Hassan" sie geformt hat?

Vollendet mit dem Lob Allahs.

Ar-Rahbiyya fil-Fara'id

von Abu Abdillah Muhammad ibn Ali ar-Rahbi asch-Schafi'i – möge Allah ihm gnädig sein (497–577 n. H.)

[Anzahl der Verse: 176]
[Versmaß: ar-Radschaz]

Die für die Edition maßgeblichen Handschriften

Bei der Edition des Gedichts habe ich mich auf zwölf Handschriften gestützt und sie nach dem Datum ihrer Abschrift wie folgt geordnet:

1 – Eine Handschrift in der Bibliothek Lâleli, die zur Süleymaniye-Bibliothek in Istanbul – Türkei – gehört, unter der Nummer (3451); Abschriftsdatum: (673 n. H.).

2 – Eine Handschrift in der Hebräischen Bibliothek, unter der Nummer (Ar.363); Abschriftsdatum: Sie gehört zu einer Sammelhandschrift, deren Teile teils in den Jahren (701 n. H.) und (703 n. H.) abgeschrieben wurden.

3 – Eine Handschrift in der Chester-Beatty-Bibliothek – Irland –, unter der Nummer (3854/10); Abschriftsdatum: das achte Jahrhundert, geschätzt.

4 – Eine Handschrift in der Bibliothek der König-Saud-Universität in Riad – Saudi-Arabien –, unter der Nummer (1157); Abschriftsdatum: (851 n. H.).

5 – Eine Handschrift in der Bibliothek Re'isülküttab, die zur Süleymaniye-Bibliothek in Istanbul – Türkei – gehört, unter der Nummer (9/1191); Abschriftsdatum: (879 n. H.).

6 – Eine Handschrift in der Staatsbibliothek zu Berlin – Deutschland –, unter der Nummer (4692); Abschriftsdatum: (934 n. H.).

7 – Eine Handschrift in der Bibliothek des Escorial – Spanien –, unter der Nummer (4/102); Abschriftsdatum: (962 n. H.).

8 – Eine Handschrift in der Bibliothek der Großen Moschee in Sanaa – Jemen –, unter der Nummer (1403); Abschriftsdatum: das zehnte Jahrhundert, geschätzt.

9 – Eine handschriftliche Abschrift in der Bibliothek der Azhar-Moschee in Kairo – Ägypten –, unter der Nummer (95428); Datum ihrer Abschrift: ungefähr das zehnte Jahrhundert.

10 – Eine handschriftliche Abschrift in der Bibliothek der König-Saud-Universität in Riad – Saudi-Arabien –, unter der Nummer (2409); Datum ihrer Abschrift: (1068 n. d. H.).

11 – Eine handschriftliche Abschrift in der Budairiyya-Bibliothek in Jerusalem – Palästina –, unter der Nummer (ms538); Datum ihrer Abschrift: ungefähr das elfte Jahrhundert.

12 – Eine handschriftliche Abschrift in der Budairiyya-Bibliothek in Jerusalem – Palästina –, unter der Nummer (ms66); Datum ihrer Abschrift: ungefähr das elfte Jahrhundert.

Der Text wurde als Audioaufnahme eingesprochen, und die Aufnahmen erscheinen bei Verwendung des folgenden QR-Codes:

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Und bei Ihm suche ich Hilfe

Der Schaikh und Imam Abu Abdillah Muhammad ibn al-Hasan ar-Rahbi – bekannt als „Ibn al-Mutaqqina" – Allahs Barmherzigkeit sei mit ihm – sagte:

Dies ist ein Lehrgedicht über die Erbanteile (Faraʾid) nach der Rechtsschule des Imams Abu Abdillah Muhammad ibn Idris asch-Schafiʿi al-Muttalibi – Allah habe Wohlgefallen an ihm und stelle ihn im Paradies zufrieden, Amin –, das ich über das gedichtet habe, was vom Erbrecht unerlässlich ist; aus dem Wunsch, es zu erleichtern und für den, der es sucht, zu vereinfachen, in der Hoffnung auf den Beistand Allahs, des Gütigen, auf schönen Lohn und auf Nutzen für den Lernenden – und Er, gepriesen und erhaben sei Er, richtet sich nach der guten Meinung Seines Dieners von Ihm und nach dessen Hoffnung.

Dichtung

١ - أَوَّلُ مَا نَسْتَفْتِحُ الْمَقَالَا ... بِذِكْرِ حَمْدِ رَبِّنَا تَعَالَى

1 – Das Erste, womit wir die Rede eröffnen, ist die Nennung des Lobes unseres Herrn, des Erhabenen.

Dichtung

٢ - فَالْحَمْدُ لِلَّهِ عَلَى مَا أَنْعَمَا ... حَمْداً بِهِ يَجْلُو عَنِ الْقَلْبِ الْعَمَى

2 – Aller Lobpreis gebührt Allah für das, was Er an Gnade erwiesen hat – ein Lobpreis, durch den die Blindheit vom Herzen weicht.

Dichtung

٣ - ثُمَّ الصَّلَاةُ بَعْدُ وَالسَّلَامُ ... عَلَى نَبِيٍّ دِينُهُ الْإِسْلَامُ

3 – Sodann Segen und Frieden auf einen Propheten, dessen Religion der Islam ist,

Dichtung

٤ - مُحَمَّدٍ خَاتَمِ رُسْلِ رَبِّهِ ... وَآلِهِ مَنْ بَعْدِهِ وَصَحْبِهِ

4 – auf Muhammad, das Siegel der Gesandten seines Herrn, und auf seine Familie nach ihm und seine Gefährten.

Dichtung

٥ - وَنَسْأَلُ اللَّهَ لَنَا الْإِعَانَهْ ... فِيمَا تَوَخَّيْنَا مِنَ الْإِبَانَهْ

5 – Und wir bitten Allah um Beistand für uns bei dem, was wir an Darlegung angestrebt haben,

Dichtung

٦ - عَنْ مَذْهَبِ الْإِمَامِ زَيْدٍ الْفَرَضِي ... إِذْ كَانَ ذَاكَ مِنْ أَهَمِّ الْغَرَضِ

6 – über die Lehrmeinung des Imams Zaid, des Erbrechtskundigen, da dies zu den wichtigsten Anliegen gehört,

Dichtung

٧ - عِلْماً بِأَنَّ الْعِلْمَ خَيْرُ مَا سُعِي ... فِيهِ وَأَوْلَى مَا لَهُ الْعَبْدُ دُعِي

7 – in dem Wissen, dass das Wissen das Beste ist, worum man sich bemüht, und das, wozu der Diener am ehesten gerufen ist,

Dichtung

٨ - وَأَنَّ هَذَا الْعِلْمَ مَخْصُوصٌ بِمَا ... قَدْ شَاعَ فِيهِ عِنْدَ كُلِّ الْعُلَمَا

8 – und dass dieses Wissen durch etwas ausgezeichnet ist, was bei allen Gelehrten bekannt ist,

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٩ - بِأَنَّهُ أَوَّلُ عِلْمٍ يُفْقَدُ ... فِي الْأَرْضِ حَتَّى لَا يَكَادُ يُوجَدُ

9 – nämlich dass es das erste Wissen ist, das auf der Erde verloren geht, bis es kaum noch zu finden ist,

Dichtung

١٠ - وَأَنَّ زَيْداً خُصَّ لَا مَحَالَهْ ... بِمَا حَبَاهُ خَاتَمُ الرِّسَالَهْ

10 – und dass Zaid ohne Zweifel besonders ausgezeichnet wurde durch das, womit ihn das Siegel der Botschaft bedacht hat,

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١١ - مِنْ قَوْلِهِ فِي فَضْلِهِ مُنَبِّهَا ... «أَفْرَضُكُمْ زَيْدٌ» وَنَاهِيكَ بِهَا

11 – nämlich durch dessen Wort über seine Vorzüglichkeit, wegweisend: „Der Kundigste von euch in den Erbanteilen ist Zaid" – und das genügt dir als Beleg!

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١٢ - فَكَانَ أَوْلَى بِاتِّبَاعِ التَّابِعِ ... لَا سِيَّمَا وَقَدْ نَحَاهُ الشَّافِعِي

12 – So war er am ehesten würdig, dass der Nachfolgende ihm folgt, zumal asch-Schafiʿi ihm gefolgt ist.

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١٣ - فَهَاكَ فِيهِ الْقَوْلَ عَنْ إِيجَازِ ... مُبَرَّأً عَنْ وَصْمَةِ الْأَلْغَازِ

13 – Nimm hier die Lehre darüber in Kürze entgegen, frei vom Makel der Rätselhaftigkeit.