Kurs 2 · Gottesdienst
Freiwillige Gebete und die Verbotszeiten
النَّوَافِلُ وَأَوْقَاتُ النَّهْيِ
Freiwillige Gebete sind zweierlei: die gebundenen – Rawātib, Ḍuḥā, Witr, Tarāwīḥ, Regenbitte, Finsternis, die Niederwerfungen der Rezitation und des Danks – und die freien, die man beten kann, wann man will. Für die freien gilt: nicht in den Verbotszeiten. Fünf sind es, drei schwere und zwei leichte. In den drei schweren beten die Sonnenanbeter; in ihnen wird auch nicht bestattet. Pflichtgebete und Nachgeholtes sind nie betroffen.
- 1الرَّوَاتِبُDie regelmäßigen Sunna-Gebete
- 2الضُّحَىDas Vormittagsgebet
- 3الْوِتْرُDer Witr
- 4التَّرَاوِيحُTarāwīḥ
- 5الِاسْتِسْقَاءُDas Gebet um Regen
- 6الْكُسُوفُDas Finsternisgebet
- 7سُجُودُ التِّلَاوَةِ وَسُجُودُ الشُّكْرِNiederwerfung der Rezitation und des Danks
- 8الْمُغَلَّظَةُ: مِنَ الشُّرُوقِ إِلَى الِارْتِفَاعِSchwer: vom Sonnenaufgang, bis sie eine Speerlänge hoch stehtetwa eine Viertelstunde
- 9الْمُغَلَّظَةُ: مُنْتَصَفُ النَّهَارِSchwer: der höchste Sonnenstandkurz vor Ẓuhr
- 10الْمُغَلَّظَةُ: وَقْتُ الْغُرُوبِSchwer: der Sonnenuntergangwenn sie sich zum Untergang neigt, bis sie weg ist
- 11غَيْرُ الْمُغَلَّظَةِ: مِنَ الْفَجْرِ إِلَى قَبْلِ الشُّرُوقِLeicht: von der Dämmerung bis vor dem Aufgangnach dem Madhhab ab der Dämmerung selbst, nicht erst ab dem Gebet
- 12غَيْرُ الْمُغَلَّظَةِ: بَعْدَ الْعَصْرِLeicht: nach dem ʿAṣr-Gebet
- 13تَجُوزُ فِي كُلِّ أَوْقَاتِ النَّهْيِ: قَضَاءُ الْفَرَائِضِIn allen erlaubt: Nachholen von Pflichtgebetendas Nachholen ist ja Pflicht
- 14تَجُوزُ فِي كُلِّ أَوْقَاتِ النَّهْيِ: رَكْعَتَا الطَّوَافِIn allen erlaubt: die zwei Rakʿa nach dem Ṭawāf
- 15تَجُوزُ فِي كُلِّ أَوْقَاتِ النَّهْيِ: إِعَادَةُ الْجَمَاعَةِ بِشَرْطِهَاIn allen erlaubt: das Gebet mit einer Gemeinschaft wiederholenwer schon gebetet hat und in eine betende Gemeinschaft kommt
- 16تَجُوزُ فِي غَيْرِ الْمُغَلَّظَةِ: الْجَنَازَةُNur in den leichten erlaubt: das Totengebetin den drei schweren wird auch nicht bestattet
- 17لَا تَجُوزُ فِي أَيِّ وَقْتٍ مِنْهَا: بَقِيَّةُ الصَّلَوَاتِIn keiner erlaubt: alle übrigen Gebetenach dem Madhhab auch der Moscheegruß; Ausnahme nach der Dämmerung: die Sunna des Fajr
Die Begriffe
Die drei kurzen Zeiten – Aufgang, Zenit, Untergang – sind die schweren: In ihnen beten die Sonnenanbeter, in ihnen wird nicht bestattet, in ihnen gibt es fast keine Ausnahme. Die zwei langen – nach der Dämmerung, nach ʿAṣr – sind die leichten: Dort ist das Totengebet erlaubt.
Moscheegruß, die zwei Rakʿa nach dem Wuḍūʾ, das Finsternisgebet. Der Madhhab lässt sie in den Verbotszeiten nicht zu – nur die genannten Ausnahmen. Die Schāfiʿiten und Ibn Taimiyya lassen alle Gebete mit Anlass zu, weil der Anlass sie aus dem Verbot nimmt. In gemischten Gemeinden beides kennen.
Das Maß der Gefährten: Die Sonne steht eine Speerlänge über dem Horizont, wenn man sie mit dem Auge so sieht – etwa eine Viertelstunde nach dem Aufgang. Ab dann ist das Vormittagsgebet erlaubt.
Die Belege
Die beiden leichten Zeiten
«لَا صَلَاةَ بَعْدَ الصُّبْحِ حَتَّى تَرْتَفِعَ الشَّمْسُ، وَلَا صَلَاةَ بَعْدَ الْعَصْرِ حَتَّى تَغِيبَ الشَّمْسُ»
„Kein Gebet nach dem Morgengebet, bis die Sonne aufgestiegen ist, und kein Gebet nach dem ʿAṣr, bis die Sonne untergegangen ist.“
متفق عليه
Die drei schweren Zeiten
«ثَلَاثُ سَاعَاتٍ كَانَ رَسُولُ اللَّهِ ﷺ يَنْهَانَا أَنْ نُصَلِّيَ فِيهِنَّ أَوْ أَنْ نَقْبُرَ فِيهِنَّ مَوْتَانَا: حِينَ تَطْلُعُ الشَّمْسُ بَازِغَةً حَتَّى تَرْتَفِعَ، وَحِينَ يَقُومُ قَائِمُ الظَّهِيرَةِ حَتَّى تَمِيلَ الشَّمْسُ، وَحِينَ تَضَيَّفُ الشَّمْسُ لِلْغُرُوبِ حَتَّى تَغْرُبَ»
ʿUqba ibn ʿĀmir: „Drei Zeiten, in denen der Gesandte Allahs ﷺ uns verbot zu beten oder unsere Toten zu bestatten: wenn die Sonne aufgeht, bis sie hochsteht; wenn der Mittag steht, bis die Sonne sich neigt; und wenn die Sonne sich zum Untergang neigt, bis sie untergeht.“
مسلم
Der Ṭawāf
«يَا بَنِي عَبْدِ مَنَافٍ، لَا تَمْنَعُوا أَحَدًا طَافَ بِهَذَا الْبَيْتِ وَصَلَّى أَيَّةَ سَاعَةٍ شَاءَ مِنْ لَيْلٍ أَوْ نَهَارٍ»
„O Banū ʿAbd Manāf, hindert niemanden daran, dieses Haus zu umrunden und zu beten, zu welcher Stunde er will, bei Nacht oder Tag.“
أبو داود والترمذي
Die Gemeinschaft wiederholen
«إِذَا صَلَّيْتُمَا فِي رِحَالِكُمَا ثُمَّ أَتَيْتُمَا مَسْجِدَ جَمَاعَةٍ فَصَلِّيَا مَعَهُمْ، فَإِنَّهَا لَكُمَا نَافِلَةٌ»
„Wenn ihr beide in eurem Lager gebetet habt und dann in eine Moschee mit Gemeinschaft kommt, betet mit ihnen – es ist für euch ein freiwilliges Gebet.“ – zu zwei Männern, die nach dem Fajr-Gebet abseits saßen
أبو داود والترمذي
Drei schwere, zwei leichte Zeiten. Pflicht, Ṭawāf und Wiederholung immer; das Totengebet nur in den leichten; alles andere nie.
Prüfe dich selbst
6 Fragen zu diesem Blatt. Nichts wird gespeichert.
1. Wie viele Verbotszeiten gibt es, und wie sind sie aufgeteilt?
2. Welches Gebet ist in ALLEN Verbotszeiten erlaubt?
3. Wann ist das Totengebet in den Verbotszeiten erlaubt?
4. Darf man nach dem Madhhab nach ʿAṣr die verpasste Sunna des Ẓuhr nachholen?
5. Welche Sunna ist nach der Dämmerung (vor dem Sonnenaufgang) ausnahmsweise erlaubt?
6. Warum ist das Beten in den drei schweren Zeiten verboten?
Für den Unterricht
- Die Zeitleiste aus dem eigenen Heft an die Tafel: Fajr – Sonnenaufgang – Ẓuhr – ʿAṣr – Maghrib, die fünf Zonen darauf markieren, die drei schweren rot. So bleibt es.
- Die häufigste Frage: „Darf ich nach ʿAṣr die Sunna des Ẓuhr nachholen?“ Nach dem Madhhab nein. Nach der Dämmerung die Sunna des Fajr: ja – die einzige Ausnahme dort.
- Den Moscheegruß nach ʿAṣr als Beispiel für den Meinungsunterschied nehmen – Madhhab: nein, andere: ja. Beides mit Beleg, und dann Ruhe.
- Der Grund des Verbots – nicht den Sonnenanbetern ähneln – gehört in die Erklärung, weil er die drei schweren Zeiten und das Bestattungsverbot verständlich macht.
Nach dem Programm des معهد الإمام البهوتي, فقه العبادات, S. 51