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Kurs 2 · Gottesdienst

Das Freitagsgebet

صَلَاةُ الْجُمُعَةِ


Für wen ist das Freitagsgebet Pflicht? Für den freien, sesshaften Mann. Wann gilt es? In einem Ort mit sesshaften Bewohnern, in seiner Zeit, mit zwei Predigten davor und mindestens vierzig, für die es Pflicht ist. Und was macht es schön? Ghusl, früh kommen, sich schmücken, nah beim Imam sitzen, die Sure al-Kahf. Dazu die Unterscheidung, die viele Fragen in Berlin beantwortet: sesshaft, vorübergehend ansässig, reisend.

صَلَاةُ الْجُمُعَةِ
Das Freitagsgebet
شُرُوطُ الْوُجُوبِ
Für wen es Pflicht ist
  1. 1
    الذُّكُورِيَّةُ
    Männlich
  2. 2
    الْحُرِّيَّةُ
    Frei
  3. 3
    الِاسْتِيطَانُ
    Sesshaft
    der vorübergehend Ansässige ist über die anderen verpflichtet, zählt aber nicht zu den vierzig
شُرُوطُ الصِّحَّةِ
Damit es gilt
  1. 4
    الْوَقْتُ
    Die Zeit
    erlaubt ab einer Speerlänge nach Sonnenaufgang – Besonderheit des Madhhab; besser nach dem Mittag, bis zum Ende der Ẓuhr-Zeit
  2. 5
    بِبَلْدَةٍ مُسْتَوْطَنِينَ
    In einem Ort mit sesshaften Bewohnern
    nicht in der Wüste, nicht auf dem Zeltplatz
  3. 6
    الْخُطْبَتَانِ قَبْلَهَا
    Die zwei Predigten davor
  4. 7
    أَرْبَعُونَ مِنْ أَهْلِ وُجُوبِهَا
    Vierzig, für die es Pflicht ist
    sesshafte Männer – nach dem Madhhab
السُّنَنُ
Was schön ist
  1. 8
    الْغُسْلُ
    Der Ghusl
  2. 9
    التَّبْكِيرُ
    Früh kommen
  3. 10
    التَّجَمُّلُ وَالتَّطَيُّبُ
    Sich schön machen und parfümieren
  4. 11
    الدُّنُوُّ مِنَ الْإِمَامِ
    Nah beim Imam sitzen
  5. 12
    قِرَاءَةُ الْكَهْفِ فِي يَوْمِهَا
    Die Sure al-Kahf an diesem Tag lesen
  6. 13
    قِرَاءَةُ الْجُمُعَةِ وَالْمُنَافِقُونَ فِيهَا
    Die Suren al-Jumuʿa und al-Munāfiqūn im Gebet
    erste und zweite Rakʿa
  7. 14
    الرَّاتِبَةُ الْبَعْدِيَّةُ
    Die Sunna danach
    zwei, vier oder sechs Rakʿa

Die Begriffe

مُسْتَوْطِنٌ – مُقِيمٌ – مُسَافِرٌ
Sesshaft – vorübergehend ansässig – reisend

Sesshaft: wer den Ort nicht verlässt, dort lebt. Vorübergehend ansässig: wer länger als drei Tage bleibt, aber weiterziehen wird – Student, Gastarbeiter. Reisend: wer weniger als drei Tage bleibt. Der Sesshafte begründet das Freitagsgebet; der Ansässige muss mit, wenn es stattfindet; der Reisende darf, muss aber nicht.

خُطْبَتَانِ
Zwei Predigten

Zwei Ansprachen mit kurzem Sitzen dazwischen, vor dem Gebet. Sie gehören zum Gebet wie die Rakʿa: Ohne sie gilt es nicht. Deshalb ist das Zuhören Pflicht und das Sprechen währenddessen verboten.

أَرْبَعُونَ
Vierzig

Die Mindestzahl nach dem Madhhab, weil das erste Freitagsgebet in Medina mit vierzig stattfand. Andere Schulen verlangen weniger – die Ḥanafiten drei. In Deutschland ist die Frage praktisch, wenn kleine Gemeinden ein Freitagsgebet beginnen wollen.

Die Belege

  • Die Pflicht

    ﴿يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا إِذَا نُودِيَ لِلصَّلَاةِ مِن يَوْمِ الْجُمُعَةِ فَاسْعَوْا إِلَىٰ ذِكْرِ اللَّهِ وَذَرُوا الْبَيْعَ﴾

    „O ihr, die ihr glaubt, wenn zum Gebet gerufen wird am Freitag, dann eilt zum Gedenken Allahs und lasst den Handel.“

    الجمعة ٩

  • Für wen nicht

    «الْجُمُعَةُ حَقٌّ وَاجِبٌ عَلَى كُلِّ مُسْلِمٍ فِي جَمَاعَةٍ إِلَّا أَرْبَعَةً: عَبْدٌ مَمْلُوكٌ، أَوِ امْرَأَةٌ، أَوْ صَبِيٌّ، أَوْ مَرِيضٌ»

    „Das Freitagsgebet ist eine Pflicht für jeden Muslim in Gemeinschaft, außer für vier: den Sklaven, die Frau, das Kind und den Kranken.“

    أبو داود

  • Der Ghusl

    «غُسْلُ يَوْمِ الْجُمُعَةِ وَاجِبٌ عَلَى كُلِّ مُحْتَلِمٍ»

    „Der Ghusl am Freitag ist für jeden Mündigen verpflichtend.“ – die Gelehrten verstehen es als dringende Sunna

    متفق عليه

  • Früh kommen

    «مَنِ اغْتَسَلَ يَوْمَ الْجُمُعَةِ غُسْلَ الْجَنَابَةِ ثُمَّ رَاحَ فَكَأَنَّمَا قَرَّبَ بَدَنَةً، وَمَنْ رَاحَ فِي السَّاعَةِ الثَّانِيَةِ فَكَأَنَّمَا قَرَّبَ بَقَرَةً …»

    „Wer am Freitag den Ghusl macht wie den der Janāba und dann in der ersten Stunde geht, ist wie einer, der ein Kamel opfert; wer in der zweiten Stunde geht, wie einer, der eine Kuh opfert …“

    متفق عليه

Pflicht für den freien, sesshaften Mann. Gültig mit Ort, Zeit, zwei Predigten und vierzig. Schön mit Ghusl, früh, geschmückt, nah, al-Kahf.

Prüfe dich selbst

6 Fragen zu diesem Blatt. Nichts wird gespeichert.

  1. 1. Für wen ist das Freitagsgebet Pflicht (شُرُوطُ الْوُجُوبِ)?

  2. 2. Ein Student aus Kairo lebt für ein Jahr in Berlin und wird weiterziehen. Wie ordnet das Blatt ihn ein?

  3. 3. Welche ist eine Bedingung der Gültigkeit des Freitagsgebets?

  4. 4. Welche Suren sind im Freitagsgebet Sunna?

  5. 5. Wofür steht im Hadith das Opfer eines Kamels beim Freitagsgebet?

  6. 6. Warum verlangt der Madhhab vierzig Teilnehmer?

Für den Unterricht

  • Die drei Begriffe sesshaft, ansässig, reisend an Beispielen aus der Gemeinde festmachen: der Student aus Kairo, der Monteur aus Polen, der Berliner. So wird klar, wer zu den vierzig zählt.
  • Die Vierzig als Madhhab-Position mit den anderen Schulen vergleichen – hier wird oft gefragt, ob eine kleine Gemeinde ein Freitagsgebet halten darf.
  • Der Hadith vom Kamel und der Kuh macht das Frühkommen greifbar – und erklärt, warum die erste Reihe schon eine Stunde vorher voll ist.
  • Die Sunna danach: zwei, vier oder sechs – der Prophet ﷺ betete zwei zu Hause, und er lehrte vier in der Moschee. Beides ist überliefert.

Nach dem Programm des معهد الإمام البهوتي, فقه العبادات, S. 43