Kurs 5 · Straf- und Gerichtsrecht
Die Vergehen und die festen Strafen
الْجَرَائِمُ وَإِقَامَةُ الْحُدُودِ
Sünden mit einer Folge im Diesseits teilen sich in drei Gruppen: solche mit einer festen Strafe, solche mit einer Sühne und solche mit einer Ermessensstrafe. Feste Strafen gibt es für sechs Taten: Unzucht, Verleumdung wegen Unzucht, Rauschtrinken, Diebstahl, Straßenraub und Abfall vom Glauben. Vollzogen werden sie nur vom Herrscher oder seinem Vertreter und nur an jemandem, der voll verantwortlich, frei in seiner Entscheidung, an das islamische Recht gebunden und sich des Verbots bewusst ist. Auch die Art des Schlagens ist genau geregelt, damit die Strafe züchtigt, aber nicht zerstört.
- 1الْحُدُودُDie sechs festen Strafen
- حَدُّ الزِّنَاUnzucht
- حَدُّ الْقَذْفِVerleumdung
- حَدُّ الْمُسْكِرِRauschtrinken
- حَدُّ السَّرِقَةِDiebstahl
- حَدُّ الْحِرَابَةِStraßenraub
- حَدُّ الرِّدَّةِGlaubensabfall
- 2مَنْ يُقِيمُ الْحُدُودَWer sie vollzieht
- الْإِمَامُ أَوْ نَائِبُهُder Herrscher oder sein Vertreter
- 3مَنْ تُقَامُ عَلَيْهِAn wem sie vollzogen wird
- الْمُكَلَّفُvoll verantwortlich
- الْمُخْتَارُnicht gezwungen
- الْمُلْتَزِمُan das islamische Recht gebunden
- الْعَالِمُ بِالتَّحْرِيمِkennt das Verbot
- 4صِفَةُ إِقَامَةِ الْحَدِّWie geschlagen wird
- الرَّجُلُ قَائِمًا وَالْمَرْأَةُ جَالِسَةًMann stehend, Frau sitzendوَيُرَاعَى سَتْرُهَا
- سَوْطٌ لَا جَدِيدٌ وَلَا خَلَقٌPeitsche weder neu noch abgenutzt
- يُفَرِّقُ الضَّرْبَ عَلَى جَسَدِهِSchläge über den Körper verteilen
- لَا يُبَالِغُ بِضَرْبِهِ بِحَيْثُ يَشُقُّ الْجِلْدَnicht so hart, dass die Haut reißt
- يَتَّقِي الرَّأْسَ وَالْفَرْجَ وَالْوَجْهَ وَالْمَقَاتِلَKopf, Scham, Gesicht und tödliche Stellen meiden
Die Begriffe
Wer sich den Urteilen des Islam unterworfen hat: der Muslim und der Schutzbefohlene, der dauerhaft unter muslimischer Herrschaft lebt. Ein Nichtmuslim, der nur mit befristeter Sicherheitszusage im Land ist, gehört nicht dazu.
Wer glaubhaft nicht wusste, dass eine Tat verboten ist – etwa ein Neumuslim weit weg von Gelehrten –, wird nicht mit der festen Strafe belegt.
Eine neue Peitsche ist zu hart und verletzt, eine zerschlissene tut kaum etwas. Gewählt wird das Mittelmaß, damit die Strafe spürbar ist, ohne zu schädigen.
Körperstellen, an denen ein Schlag töten kann, etwa Schläfe, Herzgegend oder Nieren. Sie werden gemieden.
Sechs feste Strafen – vollzogen nur vom Herrscher, nur am Verantwortlichen, Freien, Gebundenen und Wissenden.
Prüfe dich selbst
6 Fragen zu diesem Blatt. Nichts wird gespeichert.
1. In welche drei Gruppen teilt das Blatt die Vergehen?
2. Welche Tat gehört NICHT zu den sechs festen Strafen des Blattes?
3. Wer vollzieht die festen Strafen?
4. Ein Neumuslim weit weg von Gelehrten wusste glaubhaft nicht, dass eine Tat verboten ist. Was gilt?
5. Warum soll die Peitsche „weder neu noch abgenutzt“ sein?
6. Welche Stellen werden beim Schlagen gemieden?
Für den Unterricht
- Die drei Kreise (feste Strafe, Sühne, Ermessensstrafe) als Wegweiser für die folgenden Blätter nutzen.
- Deutlich sagen: Kein Einzelner, keine Familie und keine Gemeinde darf eine feste Strafe selbst vollziehen. Das ist ausschließlich Sache der rechtmäßigen Obrigkeit.
- Die Regeln zum Schlagen zeigen, dass die feste Strafe Zucht und Abschreckung ist, keine Rache und keine Folter.
Nach dem Programm des معهد الإمام البهوتي, فقه الجنايات, S. 148