Kurs 3 · Geldgeschäfte
Die Vollmacht
الْوَكَالَةُ
Die Vollmacht ist ein lösbarer Vertrag: Jede Seite kann sie jederzeit beenden. Vollmachtgeber und Bevollmächtigter müssen über das Geschäft selbst verfügen dürfen; das Geschäft muss im Groben bekannt sein und Stellvertretung zulassen. Der Bevollmächtigte ist ein Vertrauensmann: Er haftet nur bei Übergriff oder Nachlässigkeit, und er darf nicht an sich selbst, seinen Vater oder sein Kind verkaufen. Wie weit die Vollmacht reicht, ergibt sich aus dem Wortlaut oder aus Brauch und Umständen.
- 1أَمِينٌ فَلَا يَضْمَنُ بِلَا تَعَدٍّ أَوْ تَفْرِيطٍVertrauensmann: haftet nur bei Übergriff oder Nachlässigkeit
- 2لَا يَتَصَرَّفُ لِنَفْسِهِ وَلَا لِوَالِدِهِ وَلَا لِوَلَدِهِkein Geschäft mit sich selbst, dem Vater oder dem Kind
- 3تَصَرُّفٌ مَعْلُومٌ إِجْمَالًاim Groben bekannt
- 4يَقْبَلُ النِّيَابَةَlässt Stellvertretung zu
- 5الْإِيجَابُ: لَفْظٌ يَدُلُّ عَلَى الْإِذْنِAngebot: Worte, die die Erlaubnis zeigen
- 6الْقَبُولُAnnahme
- قَوْلٌ يَدُلُّ عَلَى الْقَبُولِdurch Worte
- فِعْلٌ يَدُلُّ عَلَى الْقَبُولِdurch eine Handlung
- 7بِالنَّصِّdurch den Wortlaut
- 8بِالْعُرْفِ أَوِ الْقَرِينَةِdurch Brauch oder Umstände
Die Begriffe
Ein Vertrag, den jede Seite allein beenden kann. Der Vollmachtgeber kann die Vollmacht entziehen, der Bevollmächtigte kann sie niederlegen. Sie endet auch mit dem Tod oder dem Verlust des Verstandes eines der beiden.
Kaufen, verkaufen, mieten, die Ehe schließen, Zakat verteilen – das kann ein anderer für mich tun. Gebet oder Reinigung kann niemand für einen anderen verrichten.
Es reicht, wenn klar ist, worum es geht, etwa „verkaufe mein Auto“. Eine Vollmacht für „alles, was du willst“ ist zu unbestimmt.
Wer beauftragt ist, ein Auto zu verkaufen, darf es nicht selbst kaufen, und auch nicht an seinen Vater oder sein Kind verkaufen, weil der Verdacht der Bevorzugung besteht – es sei denn, der Vollmachtgeber erlaubt es.
Was nicht ausdrücklich gesagt wurde, bestimmt der Brauch. Wer beauftragt wird, „ein Auto zu kaufen“, kauft eines, das zum Auftraggeber passt, und zahlt den üblichen Preis.
Der Bevollmächtigte ist ein Vertrauensmann: Er handelt für den anderen, nie für sich.
Prüfe dich selbst
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1. Was bedeutet es, dass die Vollmacht ein عَقْدٌ جَائِزٌ ist?
2. Wann haftet der Bevollmächtigte für einen Schaden?
3. Jemand soll das Auto eines anderen verkaufen und will es seinem Sohn verkaufen. Was gilt?
4. Eine Vollmacht für „alles, was du willst“ – ist sie gültig?
5. Wodurch ergeben sich die Grenzen der Vollmacht?
Für den Unterricht
- Mit der Miete vergleichen: Miete ist bindend, Vollmacht ist lösbar.
- Beispiele aus dem Alltag:Vollmacht für Behördengänge, für die Verteilung der Zakat, für den Verkauf eines Erbstücks.
- Den Interessenkonflikt beim Geschäft mit sich selbst und mit nahen Verwandten ausführlich besprechen.
Nach dem Programm des معهد الإمام البهوتي, فقه المعاملات, S. 35