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Kurs 7 · Rechtsregeln

Unterregeln zur Absicht

الْقَوَاعِدُ الْمُنْدَرِجَةُ تَحْتَ قَاعِدَةِ: الْأُمُورُ بِمَقَاصِدِهَا


Aus der großen Regel über die Absichten leiten sich vier engere Regeln ab, jede mit einem Beispiel aus dem Heft. Sie zeigen die Absicht in verschiedenen Bereichen: bei Verträgen, bei Eiden, bei der Bedeutung von Worten und beim Lohn im Jenseits. Gemeinsam ist allen: Nicht die äußere Form allein entscheidet, sondern was gemeint war.

الْقَوَاعِدُ الْمُنْدَرِجَةُ
Die Unterregeln
الْعِبْرَةُ فِي الْعُقُودِ بِالْمَقَاصِدِ وَالْمَعَانِي
Bei Verträgen zählen Zweck und Inhalt
Beispiel: الْهِبَةُ بِعِوَضٍ – das Geschenk gegen Gegenleistung
النِّيَّةُ تُخَصِّصُ الْعَامَّ، وَتُعَمِّمُ الْخَاصَّ
Die Absicht verengt das Allgemeine und weitet das Besondere
Beispiel: قَالَ لِزَوْجَتِهِ: «إِنْ رَأَيْتُكِ تَدْخُلِينَ هَذِهِ الْغُرْفَةَ فَأَنْتِ طَالِقٌ»
الْأَيْمَانُ مَبْنِيَّةٌ عَلَى الْأَغْرَاضِ لَا عَلَى الْأَلْفَاظِ
Eide richten sich nach dem Zweck, nicht nach dem Wortlaut
Beispiel: مَنْ حَلَفَ لَا يَشْتَرِي لِابْنِهِ بِرِيَالٍ
لَا ثَوَابَ إِلَّا بِنِيَّةٍ
Kein Lohn ohne Absicht
Beispiel: مَنْ رَدَّ وَدِيعَةً غَافِلًا عَنِ النِّيَّةِ

Die Begriffe

الْهِبَةُ بِعِوَضٍ
Geschenk gegen Gegenleistung

Wer sagt „Ich schenke dir mein Auto, wenn du mir 5.000 Euro gibst“, hat in Wahrheit verkauft. Deshalb gelten die Regeln des Kaufs, z. B. das Rückgaberecht bei Mängeln – nicht die des Geschenks.

تَخْصِيصُ الْعَامِّ
Das Allgemeine verengen

Im Beispiel des Heftes kann „wenn ich dich sehe“ wörtlich jedes Sehen meinen. Meinte der Mann aber nur, dass sie den Raum nicht betreten soll, dann zählt das Betreten – ob er es sieht oder nicht. Die Absicht bestimmt, was das Wort umfasst.

الْأَغْرَاضُ
Die Zwecke

Beim Eid zählt, was der Schwörende erreichen wollte. Wer schwört, seinem Sohn nichts für einen Riyal zu kaufen, und damit meinte, ihm gar nichts zu kaufen, bricht den Eid auch, wenn er ihm etwas für zehn Riyal kauft.

وَدِيعَةٌ
Verwahrgut

Wer ein anvertrautes Gut zurückgibt, ohne an Allah zu denken, ist seiner Pflicht ledig – Lohn bekommt er dafür aber nicht, denn Lohn gibt es nur mit Absicht.

Das Wort ist die Hülle, die Absicht der Inhalt.

Prüfe dich selbst

5 Fragen zu diesem Blatt. Nichts wird gespeichert.

  1. 1. Wie viele Unterregeln zur Absicht nennt das Blatt?

  2. 2. Welches Beispiel nennt das Heft zu الْعِبْرَةُ فِي الْعُقُودِ بِالْمَقَاصِدِ وَالْمَعَانِي?

  3. 3. Welche Regel passt zum Heft-Beispiel „مَنْ حَلَفَ لَا يَشْتَرِي لِابْنِهِ بِرِيَالٍ“?

  4. 4. Jemand gibt ein Verwahrgut (وَدِيعَةٌ) zurück, ohne an die Absicht zu denken. Was gilt laut Blatt?

  5. 5. Was besagt النِّيَّةُ تُخَصِّصُ الْعَامَّ، وَتُعَمِّمُ الْخَاصَّ?

Für den Unterricht

  • Zu jeder Unterregel erst das Beispiel des Heftes vorlesen und die Schüler raten lassen, was die Absicht hier bewirkt; dann die Regel aufdecken.
  • Beim Eid-Beispiel klarstellen: Die Absicht weitet hier das Besondere („ein Riyal“) auf alles aus – das ist der zweite Teil der Regel vorher („weitet das Besondere“).
  • Zum Verwahrgut unterscheiden: Pflicht erfüllt (die Sache ist zurück) – aber kein Lohn. Das zeigt, dass Gültigkeit und Lohn zwei verschiedene Fragen sind.
  • Die Erklärungen der Beispiele (Auto, zehn Riyal) sind eigene Ausführungen; das Heft nennt nur das Stichwort.

Nach dem Programm des معهد الإمام البهوتي, القواعد الفقهية, S. 11