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Kurs 7 · Rechtsregeln

Unterregeln zur Gewissheit

الْقَوَاعِدُ الْمُنْدَرِجَةُ تَحْتَ قَاعِدَةِ: الْيَقِينُ لَا يَزُولُ بِالشَّكِّ


Sieben Unterregeln wenden die Gewissheitsregel auf verschiedene Gebiete an. Die meisten beginnen mit „Der Grundsatz ist …“ (al-aṣl): Sie sagen, wovon man ausgeht, solange nichts Sicheres dagegen spricht. Bei den meisten Dingen ist das die Erlaubtheit – bei Ehe-Intimität, Fleisch, fremdem Eigentum und Menschenleben dagegen das Verbot. Die letzte Regel zeigt die Grenze: Eine Vermutung, die sich als falsch herausstellt, zählt nicht.

الْقَوَاعِدُ الْمُنْدَرِجَةُ
Die Unterregeln
الْأَصْلُ بَقَاءُ مَا كَانَ عَلَى مَا كَانَ
Was war, bleibt, wie es war
مَنْ تَيَقَّنَ الطَّهَارَةَ وَشَكَّ فِي الْحَدَثِ
الْأَصْلُ بَرَاءَةُ الذِّمَّةِ
Grundsätzlich schuldet niemand etwas
اخْتِلَافُ الدَّائِنِ وَالْمَدِينِ فِي قَدْرِ الدَّيْنِ
الْأَصْلُ فِي الْأُمُورِ الْعَارِضَةِ الْعَدَمُ
Hinzukommendes gilt als nicht geschehen
دَعْوَى وَفَاءِ الدَّيْنِ
الْأَصْلُ إِضَافَةُ الْحَادِثِ لِأَقْرَبِ أَوْقَاتِهِ
Ein Ereignis gilt als zuletzt möglich eingetreten
مَنْ رَأَى فِي ثَوْبِهِ مَنِيًّا بَعْدَ نَوْمَتَيْنِ
الْأَصْلُ فِي الْأَشْيَاءِ الْإِبَاحَةُ
Die Dinge sind grundsätzlich erlaubt
الْأَجْهِزَةُ الْحَدِيثَةُ
الْأَصْلُ فِي الْأَبْضَاعِ وَاللُّحُومِ وَمَالِ الْمَعْصُومِ وَنَفْسِهِ التَّحْرِيمُ
Bei vier Dingen ist der Grundsatz das Verbot
  1. 1
    الْأَبْضَاعُ
    Intimität
    اشْتَبَهَتْ أُخْتُهُ بِأَجْنَبِيَّةٍ
  2. 2
    اللُّحُومُ
    Fleisch
    اللُّحُومُ الْمُسْتَوْرَدَةُ
  3. 3
    مَالُ الْمَعْصُومِ
    Eigentum des Geschützten
    الْأَكْلُ فِي الْوَلِيمَةِ قَبْلَ الْإِذْنِ
  4. 4
    نَفْسُ الْمَعْصُومِ
    Leben des Geschützten
    الْقَتْلُ
لَا عِبْرَةَ بِالظَّنِّ الْبَيِّنِ خَطَؤُهُ
Eine erwiesen falsche Vermutung zählt nicht
مَنْ صَلَّى يَظُنُّ نَفْسَهُ مُتَطَهِّرًا فَبَانَ مُحْدِثًا

Die Begriffe

بَرَاءَةُ الذِّمَّةِ
Unbelastetheit

Jeder Mensch gilt zunächst als niemandem etwas schuldig. Streiten Gläubiger und Schuldner über die Höhe, gilt der kleinere Betrag als sicher; wer mehr behauptet, muss es beweisen.

الْأُمُورُ الْعَارِضَةُ
Hinzukommende Umstände

Dinge, die zu einem bestehenden Zustand erst hinzutreten, etwa die Rückzahlung einer Schuld. Wer behauptet, schon bezahlt zu haben, muss das belegen – sonst gilt die Schuld als offen.

إِضَافَةُ الْحَادِثِ لِأَقْرَبِ أَوْقَاتِهِ
Zuordnung zum nächsten Zeitpunkt

Findet jemand nach zwei Schlafphasen Samenflüssigkeit an seiner Kleidung, nimmt er an, dass es im letzten Schlaf geschah; die Gebete davor bleiben gültig, denn der spätere Zeitpunkt ist sicher, der frühere nur möglich.

الْمَعْصُومُ
Der Geschützte

Ein Mensch, dessen Leben und Eigentum die Scharia schützt – vor allem der Muslim und der Nichtmuslim mit Schutzvertrag.

الْأَبْضَاعُ
Intimität

Die eheliche Beziehung. Ist nicht sicher, ob eine Frau für einen Mann erlaubt ist – etwa weil sie mit seiner Schwester verwechselt sein könnte –, gilt das Verbot, bis die Erlaubnis sicher ist.

Bei den Dingen gilt: erlaubt bis zum Beweis des Verbots – bei Intimität, Fleisch, fremdem Gut und Leben: verboten bis zum Beweis der Erlaubnis.

Prüfe dich selbst

6 Fragen zu diesem Blatt. Nichts wird gespeichert.

  1. 1. Jemand ist sicher, dass er rein war, und zweifelt dann, ob er Ḥadath hatte. Welche Unterregel passt?

  2. 2. Gläubiger und Schuldner streiten über die Höhe der Schuld. Welche Regel gilt?

  3. 3. Jemand findet nach zwei Schlafphasen Samenflüssigkeit an seiner Kleidung. Welche Regel greift?

  4. 4. Bei welchen vier Dingen ist der Grundsatz das Verbot (التَّحْرِيمُ)?

  5. 5. Das Heft nennt „اللُّحُومُ الْمُسْتَوْرَدَةُ“ (importiertes Fleisch). Zu welchem Grundsatz gehört es?

  6. 6. Jemand betet in der Annahme, rein zu sein, und merkt danach, dass er es nicht war. Was gilt?

Für den Unterricht

  • Die Beispiele des Heftes in Fälle verwandeln: „Du hast morgens sicher Wuḍūʾ gemacht und zweifelst mittags – was gilt?“ usw.
  • Bei „Die Dinge sind grundsätzlich erlaubt“ (moderne Geräte) klarstellen: Das gilt für Gebrauchsgegenstände und Gewohnheiten, nicht für Gottesdienste – dort ist der Grundsatz, dass nur Vorgeschriebenes gilt.
  • Bei den vier verbotenen Bereichen die Beispiele des Heftes der Reihe nach zuordnen: Schwester/Fremde → Intimität; importiertes Fleisch → Fleisch; Essen vor der Erlaubnis → Eigentum; Töten → Leben.
  • Die letzte Regel als Gegenstück zur ersten zeigen: Wer betet in der Annahme, rein zu sein, und dann merkt, dass er es nicht war, muss das Gebet wiederholen – seine Annahme hilft ihm nicht.

Nach dem Programm des معهد الإمام البهوتي, القواعد الفقهية, S. 13