Kurs 6 · Methodenlehre
Der Befehl
الْأَمْرُ
Ein Befehl ist die sprachliche Aufforderung, etwas zu tun. Das Heft zeigt zuerst, an welchen Formen man einen Befehl erkennt, und dann, was er für sich allein genommen bedeutet: Pflicht, sofortiges Erfüllen, Erfüllung durch einmaliges Tun, das Verbot des Gegenteils und anderes mehr. Steht ein weiterer Beweis daneben, kann er auch Empfehlung oder bloße Erlaubnis bedeuten.
- 1فِعْلُ الْأَمْرِImperativأَقِيمُوا – verrichtet
- 2الْمُضَارِعُ الْمُقْتَرِنُ بِلَامِ الْأَمْرِPräsens mit Befehls-Lāmلِيُنْفِقْ – er soll ausgeben
- 3اسْمُ فِعْلِ الْأَمْرِBefehlswortعَلَيْكُمْ – haltet euch an
- 4قَوْلُ الصَّحَابِيِّ: أَمَرَ رَسُولُ اللَّهِ ﷺ، أُمِرْنَاDer Gefährte sagt: „Der Gesandte ﷺ befahl“, „Uns wurde befohlen“
- 5بِنَفْسِهِFür sich allein
- الْوُجُوبُ: عِنْدَ الْجُمْهُورِPflicht – nach der Mehrheit
- الْفَوْرُ: عِنْدَ الْجُمْهُورِSofort – nach der Mehrheit
- التَّكْرَارُ: عَلَى قَوْلٍWiederholung – nach einer Ansicht
- الْإِجْزَاءُEs genügt, wenn er erfüllt ist
- النَّهْيُ عَنْ ضِدِّهِVerbot des Gegenteils
- وُجُوبُ قَضَاءِ الْمُؤَقَّتِ إِنْ فَاتَNachholen des Zeitgebundenen, wenn versäumt
- 6بِغَيْرِهِDurch einen anderen Beweis
- بِحَسَبِ الدَّلِيلِ: النَّدْبُ، الْإِبَاحَةُ…Je nach Beweis: Empfehlung, Erlaubnis …
Die Begriffe
So bestimmt das Heft den Befehl: Er fordert ein Tun, und zwar durch sprachliche Äußerung – nicht durch eine Geste oder Andeutung.
Der Befehl ist zu erfüllen, sobald man kann; ohne Grund aufzuschieben ist nicht erlaubt. Daher ist etwa die Hajj sofort fällig, wenn man sie vermag.
Wer das Befohlene so tut, wie es verlangt ist, hat seine Pflicht erfüllt und muss es nicht noch einmal tun.
Wer zu etwas aufgefordert wird, dem ist zugleich verboten, was dieses Tun verhindert. „Steh auf!“ heißt auch „Bleib nicht sitzen!“.
Eine zeitgebundene Pflicht nach Ablauf ihrer Zeit erfüllen. Nach dem Heft verlangt der ursprüngliche Befehl selbst das Nachholen, ohne dass es einen neuen Befehl braucht.
Ein weiterer Beweis, der den Befehl von der Pflicht auf Empfehlung oder Erlaubnis lenkt – etwa „Wenn ihr den Weihezustand verlassen habt, dann jagt“: Das ist Erlaubnis.
Der Befehl bedeutet Pflicht – bis ein Beweis ihn zur Empfehlung oder Erlaubnis macht.
Prüfe dich selbst
6 Fragen zu diesem Blatt. Nichts wird gespeichert.
1. Wie bestimmt das Heft den Befehl (الْأَمْرُ)?
2. Woran erkennt man laut Baum einen Befehl NICHT?
3. Was bedeutet der Befehl für sich allein nach der Mehrheit?
4. Was steht im Heft zur Wiederholung (التَّكْرَارُ) beim Befehl?
5. Jemand hat ein zeitgebundenes Pflichtgebet versäumt. Was folgt nach dem Heft aus dem Befehl selbst?
6. Was bedeutet النَّهْيُ عَنْ ضِدِّهِ beim Befehl?
Für den Unterricht
- Die Beispiele unter den Erkennungsformen (أَقِيمُوا، لِيُنْفِقْ، عَلَيْكُمْ) und der Jagd-Vers sind eigene Ergänzungen.
- Bei „Wiederholung“ steht im Heft nur „nach einer Ansicht“; es nennt also keine verbindliche Madhhab-Position. Nicht mehr hineinlesen, als das Heft sagt.
- Übung: Aus Kurs 2 Befehle sammeln (Gebet, Zakat, Fasten) und prüfen: Pflicht oder durch einen anderen Beweis Empfehlung?
Nach dem Programm des معهد الإمام البهوتي, أصول الفقه, S. 72