Kurs 6 · Methodenlehre
Der Steckbrief der Methodenlehre
مَبَادِئُ عِلْمِ أُصُولِ الْفِقْهِ
Bevor man in eine Wissenschaft einsteigt, klären die Gelehrten ein paar Grundfragen: Was ist sie, womit befasst sie sich, was bringt sie, wer hat sie begründet, woraus schöpft sie und wie verpflichtend ist es, sie zu lernen? Dieses Blatt beantwortet diese sechs Fragen für die Methodenlehre. So weiß man von Anfang an, wohin der Kurs führt.
- 1مَعْرِفَةُ دَلَائِلِ الْفِقْهِ إِجْمَالًاDie Beweise des Fiqh im Allgemeinen kennen
- 2وَكَيْفِيَّةِ الِاسْتِفَادَةِ مِنْهَاUnd wissen, wie man aus ihnen schöpft
- 3وَحَالِ الْمُسْتَفِيدِUnd wer zum Schöpfen befähigt ist
- 4الْأَدِلَّةُ الشَّرْعِيَّةُ الْمُوَصِّلَةُ إِلَى الْأَحْكَامِDie Beweise, die zu den Urteilen führen
- 5مَعْرِفَةُ كَيْفِيَّةِ اسْتِفَادَةِ الْأَحْكَامِ مِنَ الْأَدِلَّةِWissen, wie man Urteile aus den Beweisen gewinnt
- 6الْإِمَامُ الشَّافِعِيُّImam asch-Schāfiʿīhat sie als Erster schriftlich geordnet
- 7الْكِتَابُ وَالسُّنَّةُQur'an und Sunna
- 8إِجْمَاعُ السَّلَفِDer Konsens der Altvorderen
- 9أُصُولُ الدِّينِDie Glaubenslehre
- 10اللُّغَةُ الْعَرَبِيَّةُDie arabische Sprache
- 11فَرْضُ كِفَايَةٍ عَلَى الْأُمَّةِGemeinschaftspflicht für die Umma
- 12فَرْضُ عَيْنٍ عَلَى الْمُجْتَهِدِIndividualpflicht für den, der selbst ableitet
Die Begriffe
Die Methodenlehre schaut nicht auf einen einzelnen Vers oder Hadith, sondern auf Beweisarten: etwa dass ein Befehl grundsätzlich Pflicht bedeutet oder dass der Konsens bindend ist. Den einzelnen Beweis für eine Einzelfrage behandelt der Fiqh.
Wer aus den Beweisen schöpft, also der Mujtahid. Zur Methodenlehre gehört auch die Frage, welche Voraussetzungen er erfüllen muss – und was der tut, der es nicht kann.
Die Wissenschaften, aus denen ein Fach seinen Stoff bezieht. Die Methodenlehre braucht die Offenbarung, den Konsens der frühen Generationen, die Glaubenslehre und vor allem die arabische Sprache, weil die Texte arabisch sind.
Eine Pflicht, die erfüllt ist, sobald genug Leute sie übernehmen; tut es niemand, sündigen alle. Für den Mujtahid wird die Methodenlehre zur persönlichen Pflicht, weil er ohne sie nicht ableiten kann.
Gegenstand der Methodenlehre sind die Beweise – ihr Nutzen ist, aus ihnen richtig Urteile zu gewinnen.
Prüfe dich selbst
6 Fragen zu diesem Blatt. Nichts wird gespeichert.
1. Was ist der Gegenstand (الْمَوْضُوعُ) der Methodenlehre?
2. Wer gilt laut Blatt als Begründer (وَاضِعُهُ) der Methodenlehre?
3. Aus wie vielen Teilen besteht die Begriffsbestimmung (الْحَدُّ) im Baum?
4. Welche Bezugsquelle (اسْتِمْدَادُهُ) nennt das Blatt NICHT?
5. Wie verpflichtend ist das Lernen der Methodenlehre (حُكْمُ تَعَلُّمِهِ)?
6. Was meint „دَلَائِلُ الْفِقْهِ إِجْمَالًا“ – die Beweise im Allgemeinen?
Für den Unterricht
- Das Blatt mit Blatt 1 aus Kurs 1 (Der Begriff Fiqh) vergleichen: gleiche Steckbrief-Fragen, andere Antworten. Der Fiqh hat das Tun der Menschen zum Gegenstand, die Methodenlehre die Beweise.
- Bei „Begründer“ erläutern: Nach der Methode haben schon die Prophetengefährten gearbeitet; asch-Schāfiʿī hat sie mit seiner „Risāla“ als Erster als eigenes Buch niedergeschrieben.
- Die drei Teile der Definition (Beweise – Art des Schöpfens – der Schöpfende) tauchen auf dem nächsten Blatt als Achsen wieder auf.
Nach dem Programm des معهد الإمام البهوتي, أصول الفقه, S. 55