Berliner Muslime

Die klare Grammatik: zu den Regeln der arabischen Sprache (Teil 1) · Kapitel 15 von 104

Der Jussiv (Dschazm) des Präsensverbs

Der Jussiv (Dschazm) des Präsensverbs

Beispiele

(1) Muhammad hat seine Lektion nicht gelernt.
(2) Der Regenfall hat nicht aufgehört.
(3) Niemand hat den Dieb gefasst.
(4) Iss nicht, während du satt bist.
(5) Lach nicht zu viel.
(6) Beeile dich nicht beim Gehen.
* * *
(7) Wenn du die Fenster des Zimmers öffnest, erneuert sich seine Luft.
(8) Wenn du im Luftzug sitzt, wirst du krank.
(9) Wenn dein Bruder reist, reist du mit ihm.

Untersuchung

Jedes der ersten sechs Beispiele enthält ein Präsensverb, dem einer der beiden Buchstaben „lam" und „lā" vorangeht. Der erste Buchstabe weist darauf hin, dass die Handlung in der Vergangenheit verneint wird, der zweite drückt das Verbot an den Angesprochenen aus, die Handlung zu tun.

Wenn du in diesen und in anderen Beispielen das Ende jedes Präsensverbs betrachtest, dem einer dieser beiden Buchstaben vorangeht, findest du es im Jussiv; wenn du aber diesen Buchstaben weglässt, findest du es im Nominativ. Daraus erkennen wir, dass jeder dieser beiden Buchstaben, wenn er vor das Präsensverb tritt, dessen Ende in den Jussiv setzt.

Wenn du die letzten drei Beispiele betrachtest, wirst du feststellen, dass jedes von ihnen mit der Partikel „in" („wenn") beginnt und zwei apokopierte (madschzūm) Präsensverben enthält. Das Eintreten des ersten Verbs ist dabei eine Bedingung für das Eintreten des zweiten. Das Öffnen der Fenster im ersten Beispiel ist etwa eine Bedingung für die Erneuerung der Luft. Was die Bedingung ausdrückt und jedes der beiden Verben apokopiert, ist „in". Deshalb wird „in" Bedingungs- und Apokopierungspartikel genannt. Das erste Verb heißt Bedingungsverb, das zweite Verb Antwort der Bedingung.

Die Regeln:

(14) Das Präsensverb wird apokopiert, wenn ihm eine apokopierende Partikel vorausgeht, wie die folgenden Partikeln: „lam", das verbietende „lā" und „in".

(15) „Lam" und das verbietende „lā" apokopieren jeweils ein einziges Präsensverb. Die erste Partikel verneint, dass die Handlung in der Vergangenheit geschehen ist, die zweite verbietet die Ausführung der Handlung.

(16) „In" apokopiert zwei Verben und drückt aus, dass das Eintreten des ersten Verbs eine Bedingung für das Eintreten des zweiten Verbs ist.

Übungen

(1)

Bestimme die apokopierten Präsensverben in den folgenden Sätzen:

(1) Der Himmel bewölkte sich, doch es regnete nicht.
(2) Ali war gestern nicht anwesend.
(3) Gewöhne dir nicht zu viel Scherzen an.
(4) Trink nicht, während du erschöpft bist.
(5) Der Spatz hat nicht gezwitschert.
(6) Wenn du dich dem Feuer näherst, spürst du seine Hitze.
(7) Wenn du etwas, das einem anderen gehört, zerstörst, zahlst du seinen Preis.
(8) Wenn du eine Katze schlägst, kratzt sie dich.
(9) Schlucke keine Speise, bevor du sie gut gekaut hast.
(10) Ich bin viel gelaufen und nicht müde geworden.

(2)

(a) Setze „lam" vor die Präsensverben in den folgenden Sätzen und versieh das Ende jedes Verbs mit dem richtigen Vokalzeichen:

(1) Der Obstgarten trägt Früchte.
(2) Muhammad kommt mit seinem Bruder.
(3) Ich verschwende Zeit mit Spielen.
(4) Der Zug verspätet sich gegenüber seiner Abfahrtszeit.
(5) Lernst du Schwimmen?
(6) Der Bauer melkt seine Kuh.

(b) Setze das verbietende „lā" vor jedes Präsensverb in den folgenden Sätzen und versieh sein Ende mit dem richtigen Vokalzeichen:

(1) Du beschmutzt deine Hände mit Tinte.
(2) Du schlägst jemanden, der jünger ist als du.
(3) Du trinkst nach dem Laufen.
(4) Du verdirbst die Möbel des Hauses.
(5) Du nimmst, was dir nicht gehört.
(6) Du trägst enge Kleidung.

(3)

Vervollständige die folgenden Sätze, indem du an jede leere Stelle ein Präsensverb setzt, und versieh sein Ende mit dem richtigen Vokalzeichen:

(1) Wenn du deine Arbeit vernachlässigst …
(2) Wenn du dich mit kaltem Wasser wäschst …
(3) Wenn … du bereust.
(4) Wenn … du den Preis erhältst.
(5) Wenn der Kaufmann ehrlich ist …
(6) Wenn du viel liest …
(7) Wenn du unreifes Obst isst …
(8) Wenn … deine Hand … mit Tinte.
(9) Wenn du auf den Rat deines Vaters hörst …
(10) Wenn du reist …

(4)

(1) Bilde fünf Sätze, in denen jeweils ein mit „lam" apokopiertes Präsensverb vorkommt.
(2) Bilde fünf Sätze, in denen jeweils ein mit dem verbietenden „lā" apokopiertes Präsensverb vorkommt.
(3) Bilde fünf Sätze, von denen jeder mit „in" beginnt.

(5)

Setze anstelle jedes der folgenden Sätze einen anderen Satz, der ihm in der Bedeutung gleicht und ein apokopiertes Präsensverb enthält:

(1) Lass das Scherzen!
(2) Meide die Gesellschaft der Bösen.
(3) Halte dich fern von Tierquälerei.
(4) Hüte dich davor, deine Lektionen zu vernachlässigen.
(5) Der Abwesende hat seiner Familie keinen Brief geschickt.
(6) Hüte dich davor, trübes Wasser zu trinken.
(7) Muhammad ist nicht gereist.
(8) Der Junge hat nicht gespielt.
(9) Die Katze hat nicht gefressen.
(10) Das Glas ist nicht zerbrochen.
(11) Der Bauer hat sein Land nicht gepflügt.
(12) Meide die Lüge.

(6) Übung im Aufsatz

(1) Bilde fünf Sätze, in denen du verneinst, dass fünf Handlungen in der Vergangenheit von dir ausgegangen sind.
(2) Bilde fünf Sätze zum Thema Güte gegenüber Tieren, die mit „in" beginnen.
(3) Bilde fünf Sätze, in denen du einem Diener untersagst, sich fünf Eigenschaften zu eigen zu machen.

(7) Übung in der grammatischen Analyse (Iʿrāb)

A – Muster:

(1) Lam yusāfir Farīd (Farid ist nicht gereist). (2) In yazraʿ ʿAlī yaḥṣud (Wenn Ali sät, erntet er).

Lam – Verneinungs- und Apokopierungspartikel. In – Partikel, die zwei Verben apokopiert.
Yusāfir – apokopiertes Präsensverb. Yazraʿ – apokopiertes Präsensverb.
Farīd – Subjekt, im Nominativ (marfūʿ). ʿAlī – Subjekt, im Nominativ.
Yaḥṣud – apokopiertes Präsensverb.

B – Analysiere die folgenden Sätze grammatisch:

(1) Hasan hat den Elefanten nicht gesehen.
(2) Scherze nicht.
(3) Wenn der Fahrer das Pferd schlägt, leidet es.

Der Indikativ (Rafʿ) des Präsensverbs

Die Beispiele:

(1) Die Taube fliegt.
(2) Der Reisende kehrt zurück.
(3) Die Wolken ziehen dahin.
(4) Der Regen fällt.
(5) Der Staub wirbelt auf.
(6) Der Richter urteilt.

Die Untersuchung:

Die Verben in den vorangegangenen Beispielen sind alle Präsensverben. Wenn wir ihre Endungen betrachten, finden wir sie im Nominativ (marfūʿ). Was ist der Grund für diese Hebung? Der Grund ist, dass diesen Verben keine der Partikeln vorausgeht, die ihren Akkusativ (naṣb) oder ihre Apokopierung (dschazm) erfordern. Deshalb stehen sie im marfūʿ. Ihr Freisein von Akkusativ- und Apokopierungspartikeln ist also der Grund für die Hebung.

Die Regel:

(17) Das Präsensverb steht im marfūʿ, wenn ihm keine der Akkusativ- oder Apokopierungspartikeln vorausgeht.

Übungen

(1)

Bestimme die im marfūʿ stehenden Präsensverben in den folgenden Sätzen und erläutere den Grund für ihre Hebung:

(1) Ali möchte mit dem Ball spielen.
(2) Die Kinder ziehen das Seil.
(3) Ich ging zum Baum, um in seinem Schatten Schutz zu suchen.
(4) Der Stier pflügt die Erde.
(5) Der Hund bewacht die Häuser und die Felder.
(6) Du solltest auf den Rat hören.
(7) Ich mag den Jungen, der auf die Sauberkeit seiner Kleider achtet.
(8) Zu viel Essen verdirbt den Magen.
(9) Im Herbst fallen die Blätter der Bäume.
(10) Der Mensch zieht Nutzen aus dem Lesen von Büchern.

(5) Der Hund bewacht die Häuser und die Felder.
(6) Du musst den Rat anhören.
(7) Ich mag den Jungen, der auf die Sauberkeit seiner Kleider achtet.
(8) Zu viel Essen verdirbt den Magen.
(9) Die Blätter der Bäume fallen im Herbst.
(10) Der Mensch zieht Nutzen aus dem Lesen von Büchern.

(2)

Vervollständige die folgenden Sätze, indem du an die leeren Stellen ein Präsensverb im Nominativ setzt:

(1) Der Bauer ... die Baumwolle.
(2) Die Katze ... die Maus.
(3) Der Friseur ... das Haar.
(4) Der Händler ... den Kaffee.
(5) Die Frau ... den Krug.
(6) Die Gans ... im Fluss.
(7) Der Gärtner ... die Bäume.
(8) Der Junge ... die Lampe.
(9) Der Diener ... den Tisch.
(10) Das Mädchen ... die Rose.

(3)

(1) Bilde fünf Sätze, von denen jeder mit einem Präsensverb im Nominativ beginnt.
(2) Bilde fünf Sätze, in deren Mitte jeweils ein Präsensverb im Nominativ steht.

(4)

Bestimme im folgenden Text die Präsensverben im Nominativ, im Subjunktiv und im Jussiv:

Der Bauer pflügt sein Land vor der Aussaat, damit es aufbricht und damit Wasser und Luft in sein Inneres eindringen. Tut er das nicht, so bleibt das Wasser auf der Oberfläche stehen, und die Luft streicht darüber hinweg, ohne in die Tiefe zu dringen. Dadurch verringert sich der Ertrag, und die Mühe der Arbeiter darauf ist vergeblich.

(5) Übung im Aufsatz

(1) Bilde fünf Sätze, deren Subjekt „die Sonne" ist, mit je einem Präsensverb im Nominativ.
(2) Bilde ebensolche fünf Sätze mit dem Subjekt „die Straße".
(3) Bilde ebensolche fünf Sätze mit dem Subjekt „der Regen".

(6) Übung in der grammatischen Analyse (I'rāb)

a – Muster: Der Fuchs frisst das Huhn.
„Frisst" – Präsensverb im Nominativ; „der Fuchs" – Subjekt im Nominativ; „das Huhn" – Objekt im Akkusativ.

b – Analysiere die folgenden Sätze grammatisch:

(1) Das Kind schläft.
(2) Der Wächter bewacht die Häuser.
(3) Der Junge spielt gern.