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Kurs 2 · Gottesdienst

Die gebundenen freiwilligen Gebete

النَّفْلُ الْمُقَيَّدُ


Sechs freiwillige Gebete haben eine feste Zeit oder einen festen Anlass. Das Vormittagsgebet und der Witr rahmen den Tag ein. Tarāwīḥ gehört zum Ramadan. Das Finsternisgebet hat einen Anlass am Himmel, das Regengebet einen auf der Erde. Und die Niederwerfung der Rezitation folgt einem Vers – sie ist nach dem Madhhab ein Gebet, mit allen Bedingungen des Gebets.

النَّفْلُ الْمُقَيَّدُ
Die gebundenen Nafl-Gebete
sechs
الضُّحَى
Das Vormittagsgebet
  1. 1
    وَقْتُهَا: مِنِ ارْتِفَاعِ الشَّمْسِ إِلَى قُبَيْلِ الزَّوَالِ
    Zeit: von einer Speerlänge nach Sonnenaufgang bis kurz vor Mittag
    am besten, wenn die Sonne heiß wird
  2. 2
    أَقَلُّهَا: رَكْعَتَانِ
    Mindestens zwei Rakʿa
  3. 3
    أَكْثَرُهَا: ثَمَانِ رَكَعَاتٍ
    Höchstens acht Rakʿa
الْوِتْرُ
Der Witr
  1. 4
    وَقْتُهُ: مِنَ الْعِشَاءِ إِلَى الْفَجْرِ
    Zeit: nach ʿIschāʾ bis Fajr
  2. 5
    أَقَلُّهُ: رَكْعَةٌ
    Mindestens eine Rakʿa
  3. 6
    أَكْثَرُهُ: إِحْدَى عَشْرَةَ رَكْعَةً
    Höchstens elf Rakʿa
التَّرَاوِيحُ
Tarāwīḥ
  1. 7
    وَقْتُهَا: بَعْدَ الْعِشَاءِ فِي لَيَالِي رَمَضَانَ
    Zeit: nach ʿIschāʾ in den Ramadan-Nächten
  2. 8
    عَدَدُهَا: عِشْرُونَ مَعَ الْوِتْرِ
    Zahl: zwanzig, dazu der Witr
    nach dem Madhhab; acht sind ebenso überliefert
الْكُسُوفُ
Das Finsternisgebet
  1. 9
    وَقْتُهَا: كُسُوفُ أَحَدِ النَّيِّرَيْنِ كُلِّيًّا أَوْ جُزْئِيًّا
    Zeit: Sonnen- oder Mondfinsternis, ganz oder teilweise
  2. 10
    صِفَتُهَا: رَكْعَتَانِ طَوِيلَتَانِ بِأَرْبَعِ رُكُوعَاتٍ
    Form: zwei lange Rakʿa mit je zwei Verbeugungen
    Rezitation, Verbeugung, wieder Rezitation, wieder Verbeugung, dann Niederwerfung
الِاسْتِسْقَاءُ
Das Gebet um Regen
  1. 11
    سَبَبُهَا: الْقَحْطُ وَقِلَّةُ الْمِيَاهِ
    Anlass: Dürre und Wassermangel
  2. 12
    وَقْتُهَا: كَصَلَاةِ الْعِيدِ
    Zeit: wie das Festgebet
  3. 13
    صِفَتُهَا: رَكْعَتَانِ ثُمَّ خُطْبَةٌ
    Form: zwei Rakʿa, dann eine Predigt
    mit gewendetem Umhang und erhobenen Händen
سَجْدَةُ التِّلَاوَةِ
Die Niederwerfung der Rezitation
صَلَاةٌ مَسْنُونَةٌ – ein Gebet mit den Bedingungen des Gebets
  1. 14
    سَبَبُهَا: آيَةُ السَّجْدَةِ بِقِرَاءَةٍ أَوِ اسْتِمَاعٍ
    Anlass: ein Sajda-Vers, gelesen oder gehört
    gehört: absichtlich zugehört, nicht zufällig
  2. 15
    صِفَتُهَا: يُكَبِّرُ وَيَسْجُدُ وَيُسَلِّمُ
    Form: Takbir, Niederwerfung, Salām

Die Begriffe

النَّيِّرَانِ
Die beiden Lichter

Sonne und Mond. Die Finsternis des einen wie des anderen ist Anlass für das Gebet – bei der Sonne am Tag, beim Mond in der Nacht.

رَكْعَتَانِ بِأَرْبَعِ رُكُوعَاتٍ
Zwei Rakʿa mit vier Verbeugungen

Die Besonderheit des Finsternisgebets: In jeder Rakʿa rezitiert man, verbeugt sich, richtet sich auf, rezitiert noch einmal, verbeugt sich noch einmal – und erst dann die Niederwerfung. Alles lang, denn das Gebet soll dauern, bis die Finsternis vorüber ist.

اسْتِمَاعٌ / سَمَاعٌ
Zuhören / Hören

Zuhören ist absichtlich – wer dem Rezitator folgt, wirft sich mit ihm nieder. Hören ist beiläufig – wer im Vorbeigehen einen Sajda-Vers aus dem Radio hört, muss nicht.

Die Belege

  • Das Vormittagsgebet

    «يُصْبِحُ عَلَى كُلِّ سُلَامَى مِنْ أَحَدِكُمْ صَدَقَةٌ ... وَيُجْزِئُ مِنْ ذَلِكَ رَكْعَتَانِ يَرْكَعُهُمَا مِنَ الضُّحَى»

    „Jeden Morgen ist auf jedem Gelenk von euch eine Spende fällig … und es genügt dafür, zwei Rakʿa am Vormittag zu beten.“

    مسلم

  • Der Witr

    «الْوِتْرُ رَكْعَةٌ مِنْ آخِرِ اللَّيْلِ»

    „Der Witr ist eine Rakʿa am Ende der Nacht.“

    مسلم

  • Die Finsternis

    «إِنَّ الشَّمْسَ وَالْقَمَرَ آيَتَانِ مِنْ آيَاتِ اللَّهِ، لَا يَنْكَسِفَانِ لِمَوْتِ أَحَدٍ وَلَا لِحَيَاتِهِ، فَإِذَا رَأَيْتُمْ ذَلِكَ فَادْعُوا اللَّهَ وَكَبِّرُوا وَصَلُّوا وَتَصَدَّقُوا»

    „Sonne und Mond sind zwei Zeichen von den Zeichen Allahs; sie verfinstern sich nicht wegen des Todes oder Lebens eines Menschen. Wenn ihr das seht, ruft Allah an, sprecht den Takbir, betet und gebt Almosen.“

    متفق عليه

  • Die Niederwerfung der Rezitation

    «إِذَا قَرَأَ ابْنُ آدَمَ السَّجْدَةَ فَسَجَدَ، اعْتَزَلَ الشَّيْطَانُ يَبْكِي، يَقُولُ: يَا وَيْلَهُ، أُمِرَ ابْنُ آدَمَ بِالسُّجُودِ فَسَجَدَ فَلَهُ الْجَنَّةُ، وَأُمِرْتُ بِالسُّجُودِ فَأَبَيْتُ فَلِيَ النَّارُ»

    „Wenn der Sohn Adams den Sajda-Vers liest und sich niederwirft, zieht sich der Satan weinend zurück und sagt: Wehe mir – dem Sohn Adams wurde die Niederwerfung befohlen, und er gehorchte, so hat er das Paradies; mir wurde sie befohlen, und ich weigerte mich, so habe ich das Feuer.“

    مسلم

Ḍuḥā am Vormittag, Witr in der Nacht, Tarāwīḥ im Ramadan, Kusūf am Himmel, Istisqāʾ bei Dürre, Sajda beim Vers.

Prüfe dich selbst

6 Fragen zu diesem Blatt. Nichts wird gespeichert.

  1. 1. Wie viele gebundene freiwillige Gebete (النَّفْلُ الْمُقَيَّدُ) nennt das Blatt?

  2. 2. Wie viele Rakʿa hat der Witr mindestens und höchstens?

  3. 3. Was ist die Besonderheit des Finsternisgebets (الْكُسُوفُ)?

  4. 4. Wie viele Rakʿa Tarāwīḥ nennt das Blatt nach dem Madhhab?

  5. 5. Jemand hört im Vorbeigehen zufällig einen Sajda-Vers aus dem Radio. Muss er sich niederwerfen?

  6. 6. Warum braucht die Niederwerfung der Rezitation nach dem Madhhab Wuḍūʾ und Qibla?

Für den Unterricht

  • Das Finsternisgebet vorher üben, nicht erst, wenn die Finsternis da ist – die doppelte Verbeugung überrascht jeden, der sie nicht kennt. Der nächste Termin steht im Kalender.
  • Die Tarāwīḥ-Zahl als Madhhab-Position nennen und den Streit darüber beenden: Zwanzig sind aus der Zeit ʿUmars überliefert, acht aus der Beschreibung ʿĀʾischas – beides gut.
  • Die Niederwerfung der Rezitation als Gebet zu behandeln – mit Wuḍūʾ, Qibla, Bedeckung – ist Madhhab; andere Gelehrte verlangen das nicht. Für den Unterricht die sichere Seite lehren.
  • Zum Ḍuḥā den Hadith der Gelenke: 360 Gelenke, 360 Spenden – und zwei Rakʿa decken alles. Das motiviert.

Nach dem Programm des معهد الإمام البهوتي, فقه العبادات, S. 53