Kurs 5 · Straf- und Gerichtsrecht
Der Richter und die Streitparteien
الْحَاكِمُ وَالْمُتَخَاصِمَانِ
Der Herrscher muss in jeder Region einen Richter einsetzen. Richter kann ein eingesetzter Qāḍī sein oder ein Schiedsrichter, den die Parteien wählen. Zehn Bedingungen nennt das Heft: Er muss volljährig, bei Verstand, männlich, frei, rechtschaffen, Muslim sein, hören, sehen und sprechen können und ein Mujtahid sein – sei es auch nur innerhalb seiner Rechtsschule. Bei den Streitparteien unterscheidet man den Kläger, den man in Ruhe lässt, wenn er schweigt, vom Beklagten, den man nicht in Ruhe lässt. Gestützt wird das Urteil auf Zeugenaussage, Geständnis, Eid, Eidesverweigerung und Indizien.
- 1قَاضٍ أَوْ مُحَكَّمٌeingesetzter Richter oder Schiedsrichter
- 2شُرُوطٌBedingungen
- بَالِغٌvolljährig
- عَاقِلٌbei Verstand
- ذَكَرٌmännlich
- حُرٌّfrei
- عَدْلٌrechtschaffen
- مُسْلِمٌMuslim
- سَمِيعٌkann hören
- بَصِيرٌkann sehen
- مُتَكَلِّمٌkann sprechen
- مُجْتَهِدٌ وَلَوْ فِي مَذْهَبِهِMujtahid, sei es in seiner Schule
- 3الْمُدَّعِيDer Klägerإِذَا سَكَتَ تُرِكَ
- 4الْمُدَّعَى عَلَيْهِDer Beklagteإِذَا سَكَتَ لَمْ يُتْرَكْ
- 5الشَّهَادَةُZeugenaussage
- 6الْإِقْرَارُGeständnis
- 7الْيَمِينُEid
- 8النُّكُولُEidesverweigerung
- 9الْقَرَائِنُIndizien
Die Begriffe
Eine Person, die beide Streitparteien freiwillig als Richter wählen. Erfüllt sie die Bedingungen eines Richters, ist ihr Urteil für beide bindend.
Der Richter muss die Belege und Regeln so beherrschen, dass er selbst ein Urteil ableiten kann – wenigstens innerhalb der Lehre seiner Rechtsschule. Ein bloßer Nachahmer ohne Verständnis genügt nicht.
Der Kläger ist der, der etwas fordert; schweigt er, ist der Streit beendet. Der Beklagte ist der, von dem gefordert wird; schweigt er, wird er nicht in Ruhe gelassen, sondern muss antworten.
Hat der Kläger keine Beweise, darf er vom Beklagten einen Eid verlangen. Verweigert der Beklagte den Eid, kann das Gericht in Geldfragen gegen ihn entscheiden.
Umstände, die auf die Wahrheit hinweisen, ohne sie direkt zu bezeugen. Sie können ein Urteil stützen, reichen aber für die festen Strafen nicht aus.
Der Kläger darf schweigen, der Beklagte nicht – und entschieden wird mit Zeugen, Geständnis, Eid, Verweigerung und Indizien.
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6 Fragen zu diesem Blatt. Nichts wird gespeichert.
1. Wie viele Bedingungen des Richters nennt das Heft?
2. Was bedeutet مُجْتَهِدٌ وَلَوْ فِي مَذْهَبِهِ für den Richter?
3. Woran erkennt man den Kläger (الْمُدَّعِي)?
4. Der Kläger hat keine Beweise und verlangt vom Beklagten einen Eid. Dieser verweigert ihn. Was gilt in Geldfragen?
5. Wofür reichen Indizien (الْقَرَائِنُ) nach dem Blatt NICHT aus?
6. Welche Pflicht nennt das Blatt für den Herrscher?
Für den Unterricht
- Die zehn Bedingungen des Richters paarweise an die Tafel schreiben wie im Heft.
- Den Unterschied Kläger/Beklagter mit dem Schweigen-Test einüben: Wer kann den Streit durch Schweigen beenden?
- Darauf hinweisen, dass das Einsetzen von Richtern eine Gemeinschaftspflicht ist, die der Herrscher erfüllt.
Nach dem Programm des معهد الإمام البهوتي, فقه الجنايات, S. 164