Kurs 5 · Straf- und Gerichtsrecht
Das Gelübde
النَّذْرُ
Ein Gelübde heißt, sich als verantwortlicher Mensch Allah gegenüber zu etwas zu verpflichten, das die Scharia nicht ohnehin verlangt. Es selbst abzulegen ist verpönt. Das Heft unterscheidet fünf Arten: das unbestimmte Gelübde, das Gelübde aus Trotz oder Zorn, das Gelübde zu etwas Erlaubtem, das Gelübde zu einer Sünde und das Gelübde zu einer guten Tat. Nur das letzte muss unbedingt erfüllt werden; bei den anderen genügt in unterschiedlicher Weise die Schwursühne. Wer ein Gelübde ablegt, muss bei Verstand, volljährig und frei in seiner Entscheidung sein.
- 1النَّاذِرُDer Gelobendeشُرُوطٌ
- عَاقِلٌbei Verstand
- بَالِغٌvolljährig
- مُخْتَارٌnicht gezwungen
- 2الْمَنْذُورُDas Gelobteأَنْوَاعٌ
- مُطْلَقٌunbestimmtكَفَّارَةُ يَمِينٍ
- اللَّجَاجُ وَالْغَضَبُaus Trotz oder Zornتَعْلِيقُهُ عَلَى شَرْطٍ بِقَصْدِ مَنْعٍ أَوْ حَثٍّ أَوْ تَصْدِيقٍ أَوْ تَكْذِيبٍ
- مُبَاحٌetwas Erlaubtesفِعْلُهُ أَوْ كَفَّارَةُ يَمِينٍ
- الْمَعْصِيَةُeine Sündeكَفَّارَةٌ
- التَّبَرُّرُeine gute Tatيَجِبُ الْوَفَاءُ بِهِ
Die Begriffe
Jemand sagt nur „Ich gelobe Allah ein Gelübde“, ohne zu sagen, was. Dafür ist die Schwursühne zu leisten.
Ein Gelübde, das an eine Bedingung geknüpft ist, um sich oder andere von etwas abzuhalten, zu etwas anzutreiben oder eine Aussage zu bekräftigen – etwa „Wenn ich mit dir rede, muss ich einen Monat fasten“. Es ist eigentlich ein Schwur: Tritt die Bedingung ein, wählt man zwischen Erfüllen und Schwursühne.
Etwa „Ich gelobe, heute dieses Kleid zu tragen“. Man darf es erfüllen oder die Schwursühne leisten.
Ein solches Gelübde darf nicht erfüllt werden. Stattdessen schuldet man die Schwursühne.
Wer gelobt, eine gottesdienstliche Handlung zu tun – fasten, beten, spenden –, ob bedingungslos oder für den Fall, dass ihm Gutes widerfährt, muss es erfüllen.
Das Gelübde zur guten Tat muss erfüllt werden – bei allen anderen hilft die Schwursühne.
Prüfe dich selbst
6 Fragen zu diesem Blatt. Nichts wird gespeichert.
1. Welches Urteil hat das Ablegen eines Gelübdes nach dem Blatt?
2. Welches Gelübde MUSS unbedingt erfüllt werden?
3. Jemand gelobt eine Sünde. Was gilt?
4. Jemand sagt nur „Ich gelobe Allah ein Gelübde“, ohne zu sagen, was. Was schuldet er?
5. Jemand sagt im Streit: „Wenn ich mit dir rede, muss ich einen Monat fasten.“ Was gilt nach dem Madhhab, wenn er dann redet?
6. Welche Bedingungen gelten für den Gelobenden?
Für den Unterricht
- Die fünf Arten mit je einem Satz-Beispiel an die Tafel schreiben und die Teilnehmer zuordnen lassen.
- Lücke im Heft: Unter „اللجاج والغضب“ ist keine Folge eingetragen. Nach dem Madhhab: Wahl zwischen Erfüllen und Schwursühne.
- Betonen, dass das Gelübde verpönt ist, obwohl die Erfüllung des guten Gelübdes Pflicht ist – man soll Allah nicht mit Bedingungen begegnen.
- Im Heft steht am Rand eine Überlieferung über ein Gelübde aus der Zeit vor dem Islam; sie gehört nicht zum gedruckten Text.
Nach dem Programm des معهد الإمام البهوتي, فقه الجنايات, S. 162