Kurs 6 · Methodenlehre
Die Billigkeitsentscheidung
الِاسْتِحْسَانُ
Der Begriff Istiḥsān wird in drei verschiedenen Bedeutungen gebraucht – und je nach Bedeutung ist er Beweis oder nicht. Weicht man in einer Frage wegen eines besonderen Beweises von ähnlichen Fällen ab, bestreitet das niemand. Meint man dagegen ein Gefühl im Kopf des Gelehrten, das er nicht in Worte fassen kann, oder bloß das, was er nach eigenem Gutdünken gut findet, ist es kein Beweis.
- 1لَا يُنْكِرُهُ أَحَدٌNiemand bestreitet es
- 2لَيْسَ بِحُجَّةٍKein Beweis
- 3لَيْسَ بِحُجَّةٍKein Beweis
Die Begriffe
Wörtlich: etwas für gut halten. In der Methodenlehre ein umstrittener Begriff, dessen Wert davon abhängt, was man genau darunter versteht.
Ein Fall wird anders behandelt als seine Geschwisterfälle, weil ein eigener Text oder Grund das verlangt – etwa die Erlaubnis des Salam-Kaufs, obwohl der Verkauf von Nicht-Vorhandenem sonst verboten ist. In dieser Bedeutung handelt jeder Gelehrte danach.
Ein Urteil ohne Beweis, nur weil es einem gefällt. Das wäre Gesetzgebung nach Laune und ist daher abgelehnt.
Abweichen mit Beweis – unbestritten; Gefühl oder Gutdünken ohne Beweis – kein Beweis.
Prüfe dich selbst
4 Fragen zu diesem Blatt. Nichts wird gespeichert.
1. In wie vielen Bedeutungen wird der Begriff الِاسْتِحْسَانُ laut Blatt gebraucht?
2. Eine Frage wird wegen eines besonderen Beweises anders beurteilt als ähnliche Fälle. Was gilt?
3. Einem Gelehrten fällt ein Beweis ein, den er aber nicht in Worte fassen kann. Ist das Istiḥsān ein Beweis?
4. Warum ist „was der Gelehrte nach seinem Verstand gut findet“ kein Beweis?
Für den Unterricht
- Das Salam-Beispiel ist eine eigene Ergänzung und verbindet mit Kurs 3 (Blatt 7).
- Betonen: Im Madhhab wird Istiḥsān nur in der ersten Bedeutung verwendet; wer sich im Streit darauf beruft, muss den besonderen Beweis nennen können.
Nach dem Programm des معهد الإمام البهوتي, أصول الفقه, S. 85