Kurs 6 · Methodenlehre
Die Arten des Scharia-Urteils
أَقْسَامُ الْحُكْمِ (الْمَدْلُولُ)
Das Urteil ist die erste Achse der Methodenlehre. Es gibt zwei große Gruppen: Das Pflichten-Urteil sagt dem Menschen, was er tun oder lassen soll – in fünf Stufen von Pflicht bis verboten. Das Setzungs-Urteil dagegen verlangt nichts direkt, sondern legt fest, woran ein Urteil hängt, wann eine Handlung gültig ist und wann eine Erleichterung greift. Wer beide Gruppen trennt, versteht viele Fiqh-Fragen sofort besser.
- 1إِيجَابٌVerpflichtungTun verlangt, verbindlich
- 2نَدْبٌEmpfehlungTun verlangt, nicht verbindlich
- 3تَحْرِيمٌVerbotLassen verlangt, verbindlich
- 4كَرَاهَةٌMissbilligungLassen verlangt, nicht verbindlich
- 5إِبَاحَةٌFreistellungTun und Lassen gleich
- 6مَا يَظْهَرُ بِهِ الْحُكْمُWoran das Urteil sichtbar wird
- الْعِلَّةُDer Rechtsgrund
- السَّبَبُDer Auslöser
- الشَّرْطُDie Bedingung
- الْمَانِعُDas Hindernis
- 7الصِّحَّةُ وَالْفَسَادُGültigkeit und Ungültigkeit
- 8الْعَزِيمَةُ وَالرُّخْصَةُGrundregel und Erleichterung
Die Begriffe
Ein Urteil, das sich an den verantwortlichen Menschen richtet und von ihm etwas fordert oder ihm die Wahl lässt. Daraus ergeben sich die fünf bekannten Stufen: Pflicht, empfohlen, verboten, verpönt, erlaubt.
Ein Urteil, das etwas zum Zeichen für etwas anderes macht: Der Sonnenhöchststand ist Auslöser für das Mittagsgebet, die Reinheit ist Bedingung für das Gebet, die Menstruation ist ein Hindernis. Es gilt auch für den, der nicht verpflichtet ist – etwa haftet ein Kind für Sachschaden.
Was da ist, bringt das Urteil mit sich; fehlt es, fehlt das Urteil. Beispiel: der Eintritt der Gebetszeit.
Fehlt sie, fehlt das Urteil; ist sie da, folgt daraus allein aber noch nichts. Beispiel: Die Reinheit macht noch nicht das Gebet zur Pflicht, aber ohne sie ist es ungültig.
Ist es da, fällt das Urteil weg, obwohl Auslöser und Bedingung vorliegen. Beispiel: Tötung des Erblassers verhindert das Erben.
Die Eigenschaft, an die das Urteil geknüpft ist und die bei der Analogie übertragen wird – etwa die Berauschung beim Weinverbot.
Ein Urteil, das wegen eines Grundes von der Grundregel abweicht, obwohl diese an sich bestehen bleibt – wie das Verkürzen des Gebets auf Reisen. Die Grundregel selbst heißt ʿAzīma.
Das Pflichten-Urteil fordert – das Setzungs-Urteil verknüpft.
Prüfe dich selbst
6 Fragen zu diesem Blatt. Nichts wird gespeichert.
1. In welche zwei großen Gruppen teilt sich das Scharia-Urteil?
2. Was ist نَدْبٌ?
3. Was gehört NICHT zum Setzungs-Urteil?
4. Die Reinheit ist für das Gebet …
5. Wer seinen Erblasser tötet, erbt nicht. Was ist die Tötung hier?
6. Warum haftet ein Kind für Sachschaden, obwohl es nicht verpflichtet ist?
Für den Unterricht
- Am Gebet beide Gruppen zeigen: Es ist Pflicht (Pflichten-Urteil); sein Auslöser ist die Zeit, seine Bedingung die Reinheit, sein Hindernis die Menstruation, es ist gültig oder ungültig (alles Setzungs-Urteile).
- Im Madhhab sind „ungültig“ (fāsid) und „nichtig“ (bāṭil) grundsätzlich gleichbedeutend; nur in einzelnen Kapiteln wie Ehe und Hajj unterscheidet man.
- Die Begriffe Auslöser, Bedingung, Hindernis kennen die Hörer aus Kurs 2 (Gebet, Zakat) und Kurs 3 – Beispiele von dort sammeln lassen.
Nach dem Programm des معهد الإمام البهوتي, أصول الفقه, S. 57