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Kurs 6 · Methodenlehre

Die Einteilungen der Pflicht

تَقْسِيمَاتُ الْوُجُوبِ بِعِدَّةِ اعْتِبَارَاتٍ


Pflicht ist nicht gleich Pflicht. Je nachdem, worauf man schaut, lässt sie sich unterschiedlich einteilen: nach der geforderten Handlung, nach der Zeit, nach dem, der sie erfüllen muss, und danach, ob sie direkt ausgesprochen oder nur mitgefordert ist. Diese Einteilungen erklären viele Alltagsfragen – etwa warum man das Mittagsgebet nicht sofort zu Beginn der Zeit beten muss oder warum das Totengebet nicht jeden trifft.

تَقْسِيمَاتُ الْوُجُوبِ
Einteilungen der Pflicht
بِاعْتِبَارِ الْفِعْلِ الْمَأْمُورِ بِهِ
Nach der geforderten Handlung
  1. 1
    مُعَيَّنٌ
    Festgelegt
    eine bestimmte Handlung, z. B. das Gebet
  2. 2
    مُخَيَّرٌ
    Zur Wahl
    eine von mehreren, z. B. Sühne für den Eid
بِاعْتِبَارِ الْوَقْتِ
Nach der Zeit
  1. 3
    مُطْلَقٌ
    Ohne feste Zeit
    z. B. Nachholen eines Gelübdes
  2. 4
    مُؤَقَّتٌ
    Zeitgebunden
    • مُوَسَّعٌMit weitem ZeitfensterZeit größer als die Handlung – z. B. die Gebete
    • مُضَيَّقٌMit engem ZeitfensterZeit genau so lang wie die Handlung – z. B. Ramadan
بِاعْتِبَارِ الْمُكَلَّفِ بِهِ
Nach dem Verpflichteten
  1. 5
    عَيْنِيٌّ
    Individualpflicht
    jeder Einzelne
  2. 6
    كِفَائِيٌّ
    Gemeinschaftspflicht
    genug, wenn einige es tun
بِاعْتِبَارِ الصِّيغَةِ
Nach der Formulierung
  1. 7
    أَصَالَةً
    Direkt gefordert
  2. 8
    اسْتِلْزَامًا
    Mitgefordert
    مَا لَا يَتِمُّ الْوَاجِبُ إِلَّا بِهِ

Die Begriffe

الْوَاجِبُ الْمُخَيَّرُ
Pflicht zur Wahl

Gefordert ist eine Sache aus einer festgelegten Gruppe; wer irgendeine davon tut, ist frei. Beispiel: Bei der Sühne für den gebrochenen Eid wählt man zwischen Speisen, Kleiden oder Freilassen.

الْوَاجِبُ الْمُوَسَّعُ
Pflicht mit weitem Zeitfenster

Die Zeit reicht für die Handlung und mehr. Man darf innerhalb der Zeit aufschieben – im Madhhab mit der festen Absicht, sie noch in der Zeit zu tun.

الْوَاجِبُ الْكِفَائِيُّ
Gemeinschaftspflicht

Gemeint ist, dass die Sache in der Gemeinschaft geschieht, nicht wer sie tut – etwa das Totengebet oder das Erlernen von Medizin. Erledigen es genug Leute, sind die übrigen frei.

مَا لَا يَتِمُّ الْوَاجِبُ إِلَّا بِهِ
Was die Pflicht erst möglich macht

Wenn eine Pflicht nur über einen bestimmten Weg erfüllt werden kann und dieser in der Hand des Menschen liegt, ist auch der Weg Pflicht. Beispiel: Wasser suchen für die Gebetswaschung. Es ist nicht ausdrücklich befohlen, aber mitgefordert.

Was die Pflicht erst möglich macht und in deiner Hand liegt, ist selbst Pflicht.

Prüfe dich selbst

6 Fragen zu diesem Blatt. Nichts wird gespeichert.

  1. 1. Bei der Sühne für den gebrochenen Eid wählt man zwischen Speisen, Kleiden oder Freilassen. Was für eine Pflicht ist das?

  2. 2. Warum muss man das Mittagsgebet nicht gleich zu Beginn der Zeit beten?

  3. 3. Welches Beispiel nennt das Blatt für die Pflicht mit engem Zeitfenster (مُضَيَّقٌ)?

  4. 4. Wonach wird die Pflicht in عَيْنِيٌّ und كِفَائِيٌّ eingeteilt?

  5. 5. Jemand muss für die Gebetswaschung Wasser suchen. Was gilt nach der Regel مَا لَا يَتِمُّ الْوَاجِبُ إِلَّا بِهِ?

  6. 6. Wie viele Einteilungsgesichtspunkte der Pflicht nennt das Blatt?

Für den Unterricht

  • Zu jeder der vier Einteilungen die Hörer selbst ein Beispiel suchen lassen, bevor man die Lösung zeigt.
  • Das Sprechblasen-Feld im Heft („Was die Pflicht erst möglich macht“) ist eine eigene Methodenregel; sie taucht im Fiqh sehr oft auf – etwa beim Bedecken eines Teils des Gesichts, um sicher den ganzen Kopf beim Wudu zu erfassen.
  • Einschränkung betonen: Nur was in der Macht des Menschen liegt, wird mitgefordert. Das Erreichen der Mindestmenge für die Zakat ist nicht Pflicht, nur weil sonst keine Zakat fällig wird.

Nach dem Programm des معهد الإمام البهوتي, أصول الفقه, S. 58