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Kurs 6 · Methodenlehre

Wortlaut und Sinn

تَقْسِيمُ دَلَالَةِ اللَّفْظِ بِاعْتِبَارِ مَحَلِّ الدَّلَالَةِ


Die zweite Frage zur Aussagekraft: Wo steht das Urteil? Entweder direkt in dem, was ausgesprochen ist – das ist der Wortlaut (Manṭūq). Oder es ergibt sich für etwas, das gar nicht erwähnt ist – das ist der Sinn (Mafhūm). Beide teilen sich weiter auf. Dieses Blatt gibt die Gesamtübersicht; die nächsten Blätter vertiefen die einzelnen Zweige.

دَلَالَةُ اللَّفْظِ بِاعْتِبَارِ مَحَلِّهَا
Aussagekraft nach dem Ort
مَنْطُوقٌ
Wortlaut
دَلَالَةُ اللَّفْظِ فِي مَحَلِّ النُّطْقِ
  1. 1
    صَرِيحٌ
    Ausdrücklich
    بِالْمُطَابَقَةِ أَوِ التَّضَمُّنِ
  2. 2
    غَيْرُ صَرِيحٍ
    Nicht ausdrücklich
    بِالِالْتِزَامِ
    • الْإِشَارَةُAndeutungلَمْ يُسَقِ الْكَلَامُ مِنْ أَجْلِهِ – nicht beabsichtigt
    • الِاقْتِضَاءُNotwendige Ergänzungbeabsichtigt, mit Ausgelassenem, ohne das der Satz nicht stimmt
    • الْإِيمَاءُFingerzeigbeabsichtigt, ohne Auslassung
مَفْهُومٌ
Sinn
دَلَالَةُ اللَّفْظِ فِي غَيْرِ مَحَلِّ النُّطْقِ
  1. 3
    مَفْهُومُ الْمُوَافَقَةِ
    Gleichlaufender Sinn
    das Unerwähnte wie das Erwähnte
  2. 4
    مَفْهُومُ الْمُخَالَفَةِ
    Gegenläufiger Sinn
    das Unerwähnte entgegengesetzt

Die Begriffe

الْمَنْطُوقُ
Wortlaut

Das Urteil ergibt sich aus dem, was tatsächlich ausgesprochen ist, über das Ausgesprochene.

الْمَفْهُومُ
Sinn

Das Urteil betrifft etwas, das im Text nicht erwähnt ist, ergibt sich aber aus dem Gesagten.

الْمُطَابَقَةُ وَالتَّضَمُّنُ
Deckung und Teilbedeutung

Deckung: Das Wort weist auf seine volle Bedeutung („Haus“ auf das ganze Haus). Teilbedeutung: Es weist auf einen Teil davon („Haus“ auf das Dach). Beides gilt als ausdrücklicher Wortlaut.

الِالْتِزَامُ
Mitbedeutung

Das Wort weist auf etwas außerhalb seiner Bedeutung, das aber notwendig dazugehört – „Dach“ setzt Wände voraus. Daraus entsteht der nicht ausdrückliche Wortlaut.

مَفْهُومُ الْمُوَافَقَةِ
Gleichlaufender Sinn

Das Unerwähnte bekommt dasselbe Urteil wie das Erwähnte, weil der Grund dort genauso oder noch stärker vorliegt.

مَفْهُومُ الْمُخَالَفَةِ
Gegenläufiger Sinn

Das Unerwähnte bekommt das entgegengesetzte Urteil, weil eine erwähnte Einschränkung (Bedingung, Eigenschaft, Zahl …) fehlt.

Steht das Urteil im Gesagten, ist es Wortlaut – ergibt es sich für das Ungesagte, ist es Sinn.

Prüfe dich selbst

6 Fragen zu diesem Blatt. Nichts wird gespeichert.

  1. 1. Was ist der Wortlaut (الْمَنْطُوقُ)?

  2. 2. Was ist der Sinn (الْمَفْهُومُ)?

  3. 3. Über welche Weisen kommt der ausdrückliche Wortlaut (صَرِيحٌ) zustande?

  4. 4. Welche drei Arten hat der nicht ausdrückliche Wortlaut?

  5. 5. Das Unerwähnte bekommt das entgegengesetzte Urteil, weil eine erwähnte Einschränkung fehlt. Wie heißt das?

  6. 6. „Haus“ weist auf das Dach – welche Art der Bedeutung ist das?

Für den Unterricht

  • Klassisches Beispiel für gleichlaufenden Sinn: „Sag nicht ‚Uff‘ zu ihnen“ – dann erst recht nicht schlagen (eigene Ergänzung).
  • Das Blatt ist die Landkarte; die Zweige „nicht ausdrücklich“ (Blatt 13) und „Sinn“ (Blätter 14–15) werden danach vertieft. Am Ende zurück auf diese Übersicht kommen.

Nach dem Programm des معهد الإمام البهوتي, أصول الفقه, S. 67