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Kurs 6 · Methodenlehre

Der Rechtsgrund aus dem Text

مَسْلَكُ النَّصِّ


Am sichersten erkennt man den Rechtsgrund, wenn der Text selbst ihn angibt. Das kann auf drei Stufen geschehen: ausdrücklich mit Wörtern, die nur Begründung bedeuten; offenkundig mit Wörtern, die meist begründen, aber auch anderes heißen können; oder durch einen Fingerzeig, bei dem die Verbindung von Eigenschaft und Urteil nur als Begründung Sinn ergibt. Das Heft nennt zu jeder Stufe die typischen sprachlichen Formen.

مَسْلَكُ النَّصِّ
Der Weg über den Text
صَرِيحٌ
Ausdrücklich
مَا وُضِعَ لِإِفَادَةِ التَّعْلِيلِ بِحَيْثُ لَا يَحْتَمِلُ غَيْرَ التَّعْلِيلِ
  1. 1
    مِنْ أَجْلِ
    „wegen“
  2. 2
    كَيْ
    „damit“
  3. 3
    فَإِنَّ، إِنَّ
    „denn“, „wahrlich“
  4. 4
    الْمَفْعُولُ لِأَجْلِهِ
    Zweck-Ergänzung
ظَاهِرٌ
Offenkundig
مَا يَحْتَمِلُ غَيْرَ الْعِلِّيَّةِ احْتِمَالًا مَرْجُوحًا
  1. 5
    اللَّامُ
    Das Lām („für“)
    • ظَاهِرَةٌAusgesprochen
    • مُقَدَّرَةٌMitgedacht
  2. 6
    الْبَاءُ
    Das Bāʾ („wegen“)
الْإِيمَاءُ وَالتَّنْبِيهُ
Fingerzeig und Hinweis
اقْتِرَانُ الْوَصْفِ بِحُكْمٍ لَوْ لَمْ يَكُنِ الْوَصْفُ – أَوْ نَظِيرُهُ – لِلتَّعْلِيلِ لَكَانَ ذَلِكَ الِاقْتِرَانُ بَعِيدًا مِنَ الْفَصَاحَةِ
  1. 7
    بِالْفَاءِ
    Mit dem Fāʾ („so …“)
    • مِنَ الشَّارِعِVom Gesetzgeber
    • مِنَ الرَّاوِيVom Überlieferer
  2. 8
    بِصِيغَةِ الْجَزَاءِ
    In Bedingungsform
  3. 9
    اقْتِرَانُ الْحُكْمِ بِوَصْفٍ مُنَاسِبٍ
    Urteil neben einer passenden Eigenschaft
  4. 10
    بِالْجَوَابِ عَلَى سُؤَالٍ يَتَضَمَّنُ أَوْصَافًا
    Antwort auf eine Frage mit mehreren Merkmalen
    • بِدُونِ حَذْفٍ مِنْهَاOhne eines wegzulassen
    • مَعَ حَذْفِ بَعْضِهَا: (تَنْقِيحُ الْمَنَاطِ)Mit Weglassen einiger: Bereinigung des Anknüpfungspunkts
  5. 11
    انْعِدَامُ الْفَائِدَةِ إِنْ حُمِلَ عَلَى غَيْرِ التَّعْلِيلِ
    Ohne Begründung wäre die Aussage nutzlos

Die Begriffe

الصَّرِيحُ فِي التَّعْلِيلِ
Ausdrückliche Begründung

Wörter, deren Sprachzweck allein das Begründen ist. Beispiel: „… damit er nicht nur unter den Reichen von euch umläuft“ (Verteilung der Beute).

الظَّاهِرُ فِي التَّعْلِيلِ
Offenkundige Begründung

Wörter, die meist begründen, aber auch eine andere, fernere Bedeutung haben können – wie das Lām, das auch Besitz oder Folge ausdrücken kann.

الْفَاءُ مِنَ الرَّاوِي
Fāʾ des Überlieferers

Der Gefährte berichtet: „Er vergaß und warf sich daher nieder“ – das „daher“ zeigt, dass das Vergessen der Grund für die Niederwerfung ist.

تَنْقِيحُ الْمَنَاطِ
Bereinigung des Anknüpfungspunkts

Eine Antwort bezieht sich auf einen Fall mit mehreren Merkmalen; man streicht die, die für das Urteil keine Rolle spielen. Beim Beduinen, der im Ramadan mit seiner Frau verkehrte, ist „Beduine“ unerheblich – der Grund ist der Verkehr am Fastentag.

Ausdrücklich, offenkundig oder durch Fingerzeig – so nennt der Text seinen Grund.

Prüfe dich selbst

5 Fragen zu diesem Blatt. Nichts wird gespeichert.

  1. 1. Auf welchen drei Stufen nennt der Text seinen Rechtsgrund?

  2. 2. Welches Wort gehört zur ausdrücklichen Begründung (صَرِيحٌ)?

  3. 3. Warum gehören اللَّامُ und الْبَاءُ nur zur offenkundigen Begründung?

  4. 4. Wie heißt es, wenn man bei einer Antwort auf eine Frage mit mehreren Merkmalen einige unerhebliche weglässt?

  5. 5. Von wem kann das begründende Fāʾ laut Baum stammen?

Für den Unterricht

  • Alle Beispiele in den Begriffen sind eigene Ergänzungen; das Heft gibt nur die Formen.
  • Mit Blatt 13 verbinden: Dort war der Fingerzeig eine Art des nicht ausdrücklichen Wortlauts, hier dient er dazu, den Rechtsgrund zu finden.
  • Übung: Hörer sollen in bekannten Hadithen das Begründungswort finden, etwa „Sie ist nicht unrein, denn sie gehört zu denen, die bei euch ein- und ausgehen“ (über die Katze).

Nach dem Programm des معهد الإمام البهوتي, أصول الفقه, S. 80