Berliner Muslime

Die Umgangsformen des Studierenden und des Lehrenden · Kapitel 3 von 10

Die Umgangsformen des Lehrenden

Das Kapitel im Überblick

آدَابُ الْمُدَرِّسِ
Die Umgangsformen des Lehrenden
das Wichtigste: sein Verhalten in Bezug auf sich selbst und auf sein eigenes Studium
الْقِسْمُ الْأَوَّلُ: أَدَبُهُ فِي نَفْسِهِ
1. Sein Verhalten in Bezug auf sich selbst
  1. 1
    أَنْ يَقْصِدَ بِتَعْلِيمِهِ وَجْهَ الْحَقِّ سُبْحَانَهُ وَتَعَالَى
    Mit dem Lehren das Angesicht Allahs anstreben
    nicht Besitz, Ansehen, Ruhm oder viele Schüler – wie die Salaf; Beleg: zwei Worte asch-Schafiʿis
  2. 2
    أَنْ يَتَخَلَّقَ بِالْمَحَاسِنِ الَّتِي وَرَدَ الشَّرْعُ بِهَا
    Die guten Eigenschaften der Scharia annehmen
    Nachsicht, Geduld, Freigebigkeit, heiteres Gesicht, Gewissenhaftigkeit, Würde, Bescheidenheit, Sauberkeit
  3. 3
    الْحَذَرُ مِنَ الْحَسَدِ وَالرِّيَاءِ وَالْإِعْجَابِ
    Sich vor Neid, Augendienerei und Selbstgefälligkeit hüten
    ebenso davor, sich selbst für rein zu erklären und auf die Menschen herabzusehen
  4. 4
    أَنْ يُخْبِرَ أَصْحَابَهُ ـ وَمَنْ يَرَاهُ ـ حَقِيقَةَ ذَلِكَ الْفِعْلِ
    Bei Erleichterungen den wahren Sachverhalt mitteilen
    damit die Gefährten Nutzen ziehen und nicht durch schlechte Vermutung Sünde auf sich laden
الْقِسْمُ الثَّانِي: أَدَبُهُ فِي دَرْسِهِ
2. Sein Verhalten in Bezug auf sein eigenes Studium
  1. 5
    أَنْ لَا يَزَالَ مُجْتَهِدًا فِي الِاشْتِغَالِ بِالْعِلْمِ
    Stets eifrig mit dem Wissen befasst
    Lesen, Studieren, Lehren, Erörtern, Wiederholen, Verfassen
  2. 6
    أَنْ لَا يَسْتَنْكِفَ مِنَ التَّعَلُّمِ مِمَّنْ هُوَ دُونَهُ
    Auch von dem lernen, der unter ihm steht
    an Alter, Abstammung, Ruhm, Religion oder in einer anderen Wissenschaft
  3. 7
    أَنْ لَا يَسْتَحِيَ مِنَ السُّؤَالِ عَمَّا لَمْ يَعْلَمْ
    Sich nicht schämen, nach Unbekanntem zu fragen
    Umar: Wessen Gesicht dünn ist, dessen Wissen bleibt dünn; Beleg: die Frauen der Ansar
  4. 8
    أَنْ لَا يَمْنَعَهُ ارْتِفَاعُ مَنْصِبِهِ وَشُهْرَتُهُ
    Stellung und Ruhm hindern nicht am Lernen
    viele der Salaf lernten von ihren Schülern, was sie selbst nicht besaßen
  5. 9
    رِوَايَةَ الْأَكَابِرِ عَنِ الْأَصَاغِرِ
    Die Überlieferung der Älteren von den Jüngeren
    Sahaba von Tabiʿun, Amr ibn Schuʿaib; Beleg: der Prophet ﷺ trug Ubayy ibn Kaʿb vor
  6. 10
    مُلَازَمَتُهُ الِاشْتِغَالَ بِالْعِلْمِ هِيَ مَطْلُوبَهُ، وَرَأْسَ مَالِهِ
    Das Wissen als Anliegen und Kapital
    anderes erst, nachdem das feste Pensum an Wissen erledigt ist

Übersicht der Redaktion – sie fasst zusammen und gehört nicht zum Text des Verfassers.

أَهَمُّ مَا يُطْلَبُ مِنْهُ أَنْ يَعْتَنِيَ بِهِ: أَدَبُهُ فِي نَفْسِهِ، وَأَدَبُهُ فِي دَرْسِهِ.
Das Wichtigste, worum er sich bemühen soll, ist sein Verhalten in Bezug auf sich selbst und sein Verhalten in Bezug auf sein eigenes Studium.
الْقِسْمُ الْأَوَّلُ: أَدَبُهُ فِي نَفْسِهِ:
Die erste Gruppe: sein Verhalten in Bezug auf sich selbst:
وَذَلِكَ فِي أُمُورٍ:
Dies betrifft mehrere Dinge:
مِنْهَا: أَنْ يَقْصِدَ بِتَعْلِيمِهِ وَجْهَ الْحَقِّ سُبْحَانَهُ وَتَعَالَى لَا تَوَسُّلًا إِلَى غَرَضٍ دُنْيَوِيٍّ ـ كَمَالٍ، أَوْ جَاهٍ، أَوْ شُهْرَةٍ، أَوْ تَكْثِيرِ الْمُخْتَلِفِينَ إِلَيْهِ، أَوْ نَحْوِ ذَلِكَ ـ كَمَا كَانَ عَلَيْهِ سَلَفُ الْأُمَّةِ.
Dazu gehört, dass er mit seinem Lehren das Angesicht des Wahren (al-Haqq), subhanahu wa taala, anstrebt – nicht als Mittel zu einem weltlichen Zweck wie Besitz, Ansehen, Ruhm, einer größeren Zahl von Schülern, die zu ihm kommen, oder Ähnlichem –, so wie es die Salaf der Umma hielten.
Gelehrtenaussage
فَقَدْ قَالَ الشَّافِعِيُّ رَحِمَهُ اللَّهُ: وَدِدْتُ أَنَّ الْخَلْقَ تَعَلَّمُوا هَذَا الْعِلْمَ عَلَى أَنْ لَا يُنْسَبَ إِلَيَّ حَرْفٌ مِنْهُ.
Asch-Schafiʿi, rahimahullah, sagte: Ich wünschte, die Menschen würden dieses Wissen lernen, ohne dass mir auch nur ein Buchstabe davon zugeschrieben wird.
asch-Schafiʿi, rahimahullah
Gelehrtenaussage
وَقَالَ أَيْضًا: مَا نَاظَرْتُ أَحَدًا قَطُّ عَلَى الْغَلَبَةِ، وَوَدِدْتُ إِذَا نَاظَرْتُ أَحَدًا أَنْ يَظْهَرَ الْحَقُّ عَلَى يَدِهِ.
Und er sagte auch: Ich habe niemals mit jemandem disputiert, um zu siegen; und wenn ich mit jemandem disputierte, wünschte ich, dass die Wahrheit durch ihn offenbar wird.
asch-Schafiʿi, rahimahullah
وَمِنْهَا: أَنْ يَتَخَلَّقَ بِالْمَحَاسِنِ الَّتِي وَرَدَ الشَّرْعُ بِهَا وَحَثَّ عَلَيْهَا، وَالْخِلَالِ الْحَمِيدَةِ، وَالشِّيَمِ الْمَرْضِيَّةِ الَّتِي أَرْشَدَ إِلَيْهَا؛ كَالْحِلْمِ، وَالصَّبْرِ، وَالسَّخَاءِ، وَالْجُودِ، وَطَلَاقَةِ الْوَجْهِ مِنْ غَيْرِ خُرُوجٍ إِلَى حَدِّ الْخَلَاعَةِ، وَمُلَازَمَةِ الْوَرَعِ، وَالْوَقَارِ، وَالتَّوَاضُعِ، وَالتَّنَظُّفِ فِي الْبَدَنِ وَاللِّبْسَةِ.
Dazu gehört, dass er sich die guten Eigenschaften zu eigen macht, die die Scharia gebracht hat und zu denen sie anspornt, sowie die lobenswerten Charakterzüge und wohlgefälligen Wesensarten, zu denen sie anleitet – etwa Nachsicht, Geduld, Freigebigkeit, Großzügigkeit, ein heiteres Gesicht, ohne dabei in Ausgelassenheit zu verfallen, beständige Gewissenhaftigkeit, Würde, Bescheidenheit sowie Sauberkeit an Körper und Kleidung.
وَمِنْهَا: الْحَذَرُ مِنَ الْحَسَدِ وَالرِّيَاءِ وَالْإِعْجَابِ، وَتَزْكِيَةِ النَّفْسِ، وَازْدِرَاءِ النَّاسِ، وَإِنْ كَانُوا دُونَهُ بِدَرَجَاتٍ.
Dazu gehört, sich vor Neid, Augendienerei und Selbstgefälligkeit zu hüten, ebenso davor, sich selbst für rein zu erklären und auf die Menschen herabzusehen, auch wenn sie um Stufen unter ihm stehen.
وَمِنْهَا: أَنَّهُ إِذَا تَرَخَّصَ فِي أَمْرٍ جَائِزٍ وَخِيفَ أَنْ يُظَنَّ خِلَافُهُ: أَنْ يُخْبِرَ أَصْحَابَهُ ـ وَمَنْ يَرَاهُ ـ حَقِيقَةَ ذَلِكَ الْفِعْلِ؛ لِيَنْتَفِعُوا وَلِئَلَّا يَأْثَمُوا بِظَنِّهِمُ السَّيِّئِ.
Dazu gehört: Wenn er von einer Erleichterung in einer erlaubten Sache Gebrauch macht und zu befürchten ist, dass man es anders auffasst, dann soll er seinen Gefährten – und wer ihn sieht – den wahren Sachverhalt dieser Handlung mitteilen, damit sie Nutzen daraus ziehen und nicht durch ihre schlechte Vermutung Sünde auf sich laden.
الْقِسْمُ الثَّانِي: أَدَبُهُ فِي دَرْسِهِ:
Die zweite Gruppe: sein Verhalten in Bezug auf sein eigenes Studium:
وَذَلِكَ أَنْ لَا يَزَالَ مُجْتَهِدًا فِي الِاشْتِغَالِ بِالْعِلْمِ، قِرَاءَةً وَمُطَالَعَةً، وَتَعْلِيمًا وَمُبَاحَثَةً، وَمُذَاكَرَةً وَتَصْنِيفًا.
Das heißt: Er bleibt stets eifrig damit beschäftigt, sich mit dem Wissen zu befassen – durch Lesen und Studieren, Lehren und gemeinsames Erörtern, Wiederholen und Verfassen.
وَأَنْ لَا يَسْتَنْكِفَ مِنَ التَّعَلُّمِ مِمَّنْ هُوَ دُونَهُ فِي سِنٍّ أَوْ نَسَبٍ أَوْ شُهْرَةٍ أَوْ دِينٍ أَوْ فِي عِلْمٍ آخَرَ، بَلْ يَحْرِصُ عَلَى الْفَائِدَةِ مِمَّنْ كَانَتْ عِنْدَهُ وَإِنْ كَانَ دُونَهُ فِي جَمِيعِ هَذَا.
Er soll es nicht unter seiner Würde finden, von jemandem zu lernen, der unter ihm steht – an Alter, Abstammung, Ruhm, Religion oder in einer anderen Wissenschaft –, sondern er soll eifrig nach Nutzen streben, bei wem er auch zu finden ist, selbst wenn dieser in all dem unter ihm steht.
وَأَنْ لَا يَسْتَحِيَ مِنَ السُّؤَالِ عَمَّا لَمْ يَعْلَمْ؛ رُوِيَ عَنْ أَمِيرِ الْمُؤْمِنِينَ عُمَرَ أَنَّهُ قَالَ: مَنْ رَقَّ وَجْهُهُ رَقَّ عِلْمُهُ.
Er soll sich nicht schämen, nach dem zu fragen, was er nicht weiß. Vom Fürsten der Gläubigen Umar wird überliefert, dass er sagte: Wessen Gesicht dünn ist (wer zu schamhaft ist), dessen Wissen bleibt dünn.
Gelehrtenaussage
وَرَوَى الْبُخَارِيُّ عَنْ عَائِشَةَ أُمِّ الْمُؤْمِنِينَ قَالَتْ: «نِعْمَ النِّسَاءُ نِسَاءُ الْأَنْصَارِ، لَمْ يَمْنَعْهُنَّ الْحَيَاءُ أَنْ يَتَفَقَّهْنَ فِي الدِّينِ».
Al-Buchari überliefert von Aischa, der Mutter der Gläubigen, dass sie sagte: „Wie vortrefflich sind die Frauen der Ansar! Die Scham hielt sie nicht davon ab, Verständnis in der Religion zu erwerben.“
Aischa, radiyallahu anha; überliefert von al-Buchari
وَأَنْ لَا يَمْنَعَهُ ارْتِفَاعُ مَنْصِبِهِ وَشُهْرَتُهُ مِنِ اسْتِفَادَةِ مَا لَا يَعْرِفُهُ، فَقَدْ كَانَ كَثِيرٌ مِنَ السَّلَفِ يَسْتَفِيدُ مِنْ تَلَامِذَتِهِ مَا لَيْسَ عِنْدَهُ.
Seine hohe Stellung und sein Ruhm sollen ihn nicht davon abhalten, sich anzueignen, was er nicht weiß. Viele der Salaf haben von ihren Schülern gelernt, was sie selbst nicht besaßen.
قَالَ الْإِمَامُ النَّوَوِيُّ: قَدْ ثَبَتَ فِي «الصَّحِيحِ» رِوَايَةُ جَمَاعَةٍ مِنَ الصَّحَابَةِ عَنِ التَّابِعِينَ، وَرَوَى جَمَاعَاتٌ مِنَ التَّابِعِينَ عَنْ تَابِعِي التَّابِعِينَ، وَهَذَا عَمْرُو بْنُ شُعَيْبٍ لَيْسَ تَابِعِيًّا، وَرَوَى عَنْهُ أَكْثَرُ مِنْ سَبْعِينَ مِنَ التَّابِعِينَ.
Imam an-Nawawi sagte: Es ist in „as-Sahih“ belegt, dass eine Gruppe der Sahaba von Tabiʿun überliefert hat, und Gruppen von Tabiʿun überlieferten von den Nachfolgern der Tabiʿun. Und Amr ibn Schuʿaib war kein Tabiʿi, doch mehr als siebzig Tabiʿun überlieferten von ihm.
Hadith
وَثَبَتَ فِي «الصَّحِيحَيْنِ» أَنَّ رَسُولَ اللَّهِ ﷺ قَرَأَ ﴿لَمْ يَكُنِ الَّذِينَ كَفَرُوا﴾ عَلَى أُبَيِّ بْنِ كَعْبٍ؛ وَقَالَ: «أَمَرَنِي اللَّهُ أَنْ أَقْرَأَ عَلَيْكَ».
Und in den beiden „Sahih“-Werken ist belegt, dass der Gesandte Allahs, sallallahu alaihi wa sallam, Ubayy ibn Kaʿb die Sure „Diejenigen, die ungläubig waren, …“ vortrug und sagte: „Allah hat mir befohlen, dir vorzutragen.“
nach Angabe des Textes in den beiden Sahih-Werken (al-Buchari und Muslim); der Vers: Sure al-Bayyina 98:1
وَيُسَمَّى هَذَا النَّوْعُ: رِوَايَةَ الْأَكَابِرِ عَنِ الْأَصَاغِرِ.
Diese Art nennt man: die Überlieferung der Älteren von den Jüngeren.
وَأَنْ تَكُونَ مُلَازَمَتُهُ الِاشْتِغَالَ بِالْعِلْمِ هِيَ مَطْلُوبَهُ، وَرَأْسَ مَالِهِ؛ فَلَا يَشْتَغِلُ بِغَيْرِهِ، فَإِنِ اضْطُرَّ إِلَى غَيْرِهِ فِي وَقْتٍ فَعَلَ ذَلِكَ الْغَيْرَ بَعْدَ تَحْصِيلِ وَظِيفَتِهِ مِنَ الْعِلْمِ.
Und das beständige Befassen mit dem Wissen soll sein Anliegen und sein Kapital sein; so beschäftigt er sich nicht mit anderem. Ist er zu einer Zeit gezwungen, sich mit etwas anderem zu befassen, dann tut er dies erst, nachdem er sein festes Pensum an Wissen erledigt hat.

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