كِتَابُ الصَّلَاةِ
Das Buch des Gebets (Salat)
تَجِبُ الْخَمْسُ عَلَى كُلِّ مُسْلِمٍ مُكَلَّفٍ إِلَّا حَائِضًا وَنُفَسَاءَ، وَمَنْ تَرَكَهَا جُحُودًا فَقَدِ ارْتَدَّ، وَجَرَتْ عَلَيْهِ أَحْكَامُ الْمُرْتَدِّينَ.
Die fünf Gebete sind Pflicht für jeden verantwortlichen (mukallaf) Muslim, außer für die Menstruierende und die Wöchnerin. Wer sie unterlässt, weil er ihre Pflicht leugnet, ist vom Islam abgefallen, und für ihn gelten die Bestimmungen der Abtrünnigen.
فَصْلٌ (الْأَذَانُ وَالْإِقَامَةُ)
Abschnitt (der Adhan und die Iqama)
الْأَذَانُ وَالْإِقَامَةُ فَرْضَا كِفَايَةٍ عَلَى الرِّجَالِ الْأَحْرَارِ.
Der Adhan und die Iqama sind gemeinschaftliche Pflichten (Fard Kifaya) für die freien Männer.
وَيُسَنَّانِ لِمُنْفَرِدٍ وَسَفَرًا، وَلَا يَصِحَّانِ إِلَّا مُرَتَّبَيْنِ مُتَوَالِيَيْنِ عُرْفًا، بِنِيَّةٍ مِنْ ذَكَرٍ مُسْلِمٍ عَاقِلٍ مُمَيِّزٍ نَاطِقٍ عَدْلٍ وَلَوْ ظَاهِرًا، بَعْدَ دُخُولِ وَقْتٍ لِغَيْرِ فَجْرٍ.
Sunna sind sie für den, der allein betet, und auf Reisen. Gültig sind sie nur in der richtigen Reihenfolge und nach allgemeinem Verständnis ohne Unterbrechung, mit Absicht, von einem männlichen, muslimischen, verständigen, unterscheidungsfähigen, sprechfähigen und rechtschaffenen Menschen – sei es auch nur dem äußeren Anschein nach –, und nach Eintritt der Gebetszeit, außer beim Morgengebet (Fadschr).
وَيَصِحُّ لَهُ بَعْدَ نِصْفِ اللَّيْلِ، وَهُوَ خَمْسَ عَشْرَةَ كَلِمَةً بِلَا تَرْجِيعٍ، وَهِيَ إِحْدَى عَشْرَةَ بِلَا تَثْنِيَةٍ، وَيُبَاحُ تَرْجِيعُهُ وَتَثْنِيَتُهَا.
Für dieses ist er nach Mitternacht gültig. Der Adhan besteht aus fünfzehn Sätzen ohne Wiederholung des Glaubensbekenntnisses (Tardschiʿ), die Iqama aus elf Sätzen ohne Verdoppelung. Die Wiederholung im Adhan und die Verdoppelung in der Iqama sind erlaubt.
وَحَرُمَ خُرُوجٌ مِنْ مَسْجِدٍ بَعْدَهُ بِلَا عُذْرٍ أَوْ نِيَّةِ رُجُوعٍ.
Verboten ist es, nach dem Adhan die Moschee ohne Entschuldigungsgrund oder ohne Absicht zur Rückkehr zu verlassen.
وَسُنَّ أَذَانٌ فِي يَمِينِ أُذُنَيْ مَوْلُودٍ حَيْثُ يُولَدُ، وَإِقَامَةٌ فِي الْيُسْرَى.
Sunna ist ein Adhan in das rechte Ohr eines Neugeborenen, sobald es geboren ist, und eine Iqama in das linke.
فَصْلٌ (شُرُوطُ الصَّلَاةِ وَأَرْكَانُهَا وَوَاجِبَاتُهَا وَسُنَنُهَا)
Abschnitt (die Bedingungen, Grundpfeiler, Pflichten und Sunan des Gebets)
وَشُرُوطُ صِحَّةِ الصَّلَاةِ سِتَّةٌ: طَهَارَةُ الْحَدَثِ، وَدُخُولُ الْوَقْتِ، وَسَتْرُ الْعَوْرَةِ، وَاجْتِنَابُ النَّجَاسَةِ، وَاسْتِقْبَالُ الْقِبْلَةِ، وَالنِّيَّةُ، وَمَحَلُّهَا الْقَلْبُ، وَحَقِيقَتُهَا: الْعَزْمُ عَلَى الشَّيْءِ، وَلَا تَسْقُطُ بِحَالٍ.
Die Bedingungen für die Gültigkeit des Gebets sind sechs: die Reinheit von ritueller Unreinheit, der Eintritt der Gebetszeit, das Bedecken der Aura (ʿAura), das Meiden von Unreinheit, das Zuwenden zur Qibla und die Absicht. Ihr Sitz ist das Herz, ihr Wesen ist der feste Entschluss zu einer Sache, und sie entfällt unter keinen Umständen.
وَشَرْطُهَا الْإِسْلَامُ، وَالْعَقْلُ، وَالتَّمْيِيزُ، وَزَمَنُهَا أَوَّلُ الْعِبَادَةِ أَوْ قُبَيْلَهَا بِيَسِيرٍ.
Bedingungen der Absicht sind der Islam, der Verstand und die Unterscheidungsfähigkeit. Ihre Zeit ist der Beginn der Anbetungshandlung oder kurz davor.
وَأَرْكَانُ الصَّلَاةِ أَرْبَعَةَ عَشَرَ: قِيَامٌ فِي فَرْضٍ، وَتَكْبِيرَةُ الْإِحْرَامِ، وَقِرَاءَةُ الْفَاتِحَةِ، وَرُكُوعٌ، وَرَفْعٌ مِنْهُ، وَاعْتِدَالٌ، وَسُجُودٌ، وَرَفْعٌ مِنْهُ، وَجُلُوسٌ بَيْنَ السَّجْدَتَيْنِ، وَطُمَأْنِينَةٌ فِي فِعْلٍ، وَهِيَ السُّكُونُ وَإِنْ قَلَّ، وَتَشَهُّدٌ أَخِيرٌ، وَجُلُوسٌ لَهُ وَلِلتَّسْلِيمَتَيْنِ، وَالرُّكْنُ مِنْهُ: «اللَّهُمَّ صَلِّ عَلَى مُحَمَّدٍ» بَعْدَمَا يُجْزِئُ مِنَ التَّشَهُّدِ الْأَوَّلِ، وَالْمُجْزِئُ مِنْهُ: «التَّحِيَّاتُ لِلَّهِ، سَلَامٌ عَلَيْكَ أَيُّهَا النَّبِيُّ وَرَحْمَةُ اللَّهِ، سَلَامٌ عَلَيْنَا وَعَلَى عِبَادِ اللَّهِ الصَّالِحِينَ، أَشْهَدُ أَنْ لَا إِلَهَ إِلَّا اللَّهُ، وَأَنَّ مُحَمَّدًا رَسُولُ اللَّهِ»، وَالتَّسْلِيمَتَانِ، وَالتَّرْتِيبُ.
Die Grundpfeiler (Arkan) des Gebets sind vierzehn: das Stehen im Pflichtgebet; das Eröffnungs-Takbir (Takbirat al-Ihram); das Rezitieren der Fatiha; die Verbeugung (Rukuʿ); das Aufrichten aus ihr; das aufrechte Stehen danach; die Niederwerfung (Sudschud); das Aufrichten aus ihr; das Sitzen zwischen den beiden Niederwerfungen; die Ruhe in jeder Handlung – sie ist das Zur-Ruhe-Kommen, auch wenn es kurz ist –; das letzte Taschahhud; das Sitzen dafür und für die beiden Friedensgrüße. Der Grundpfeiler daraus ist: „Allahumma salli ala Muhammad“ (O Allah, sprich Segen über Muhammad) nach dem, was vom ersten Taschahhud ausreicht. Das Ausreichende davon ist: „Die Grüße gebühren Allah. Friede sei auf dir, o Prophet, und die Barmherzigkeit Allahs. Friede sei auf uns und auf den rechtschaffenen Dienern Allahs. Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt und dass Muhammad der Gesandte Allahs ist.“ Ferner die beiden Friedensgrüße und die Reihenfolge.
وَوَاجِبَاتُهَا ثَمَانِيَةٌ: تَكْبِيرٌ لِغَيْرِ الْإِحْرَامِ، وَتَسْمِيعٌ لِإِمَامٍ وَمُنْفَرِدٍ، وَتَحْمِيدٌ، وَتَسْبِيحَةٌ أُولَى فِي رُكُوعٍ وَسُجُودٍ، وَ«رَبِّ اغْفِرْ لِي» بَيْنَ السَّجْدَتَيْنِ لِلْكُلِّ، وَتَشَهُّدٌ أَوَّلُ، وَجُلُوسٌ لَهُ.
Seine Pflichten (Wadschibat) sind acht: jedes Takbir außer dem Eröffnungs-Takbir; das „Samiʿallahu liman hamidah“ für den Imam und den allein Betenden; das „Rabbana wa laka l-hamd“; das erste „Subhana …“ in der Verbeugung und in der Niederwerfung; „Rabbi ghfir li“ (Mein Herr, vergib mir) zwischen den beiden Niederwerfungen für alle; das erste Taschahhud; und das Sitzen dafür.
وَسُنَنُهَا: أَقْوَالٌ وَأَفْعَالٌ لَا تَبْطُلُ بِتَرْكِ شَيْءٍ مِنْهَا مُطْلَقًا.
Seine Sunan sind Worte und Handlungen, durch deren Unterlassung das Gebet in keinem Fall ungültig wird.
فَسُنَنُ الْأَقْوَالِ إِحْدَى عَشْرَةَ، وَهِيَ: اسْتِفْتَاحٌ، وَتَعَوُّذٌ، وَبَسْمَلَةٌ، وَقَوْلُ: «آمِينَ»، وَقِرَاءَةُ سُورَةٍ فِي فَجْرٍ وَجُمُعَةٍ وَعِيدٍ وَتَطَوُّعٍ وَأُولَتَيْ مَغْرِبٍ وَرُبَاعِيَّةٍ، وَجَهْرُ إِمَامٍ بِقِرَاءَةٍ، وَقَوْلُ غَيْرِ مَأْمُومٍ بَعْدَ التَّحْمِيدِ: «مِلْءَ السَّمَاءِ، وَمِلْءَ الْأَرْضِ، وَمِلْءَ مَا شِئْتَ مِنْ شَيْءٍ بَعْدُ»، وَمَا زَادَ عَلَى مَرَّةٍ فِي تَسْبِيحٍ، وَسُؤَالُ الْمَغْفِرَةِ، وَدُعَاءٌ فِي تَشَهُّدٍ أَخِيرٍ، وَقُنُوتٌ فِي وِتْرٍ.
Die Sunan der Worte sind elf: das Eröffnungsbittgebet (Istiftah); die Zuflucht (Taʿawwudh); das Bismillah; das Sprechen von „Amin“; das Rezitieren einer Sure im Morgengebet, im Freitagsgebet, im Festgebet, im freiwilligen Gebet und in den ersten beiden Rakʿas des Abendgebets (Maghrib) und der vier-Rakʿa-Gebete; das laute Rezitieren durch den Imam; das Sprechen dessen, der nicht hinter einem Imam betet, nach dem Lobpreis: „… so viel, wie die Himmel füllt, die Erde füllt und alles füllt, was Du darüber hinaus willst“; was über das einmalige Lobpreisen hinausgeht; die Bitte um Vergebung (über das einmalige Mal hinaus); das Bittgebet im letzten Taschahhud; und das Qunut im Witr.
وَسُنَنُ الْأَفْعَالِ مَعَ الْهَيْئَاتِ خَمْسٌ وَأَرْبَعُونَ.
Die Sunan der Handlungen samt den Haltungen sind fünfundvierzig.
وَيُكْرَهُ لِلْمُصَلِّي الْتِفَاتٌ، وَتَغْمِيضُ عَيْنَيْهِ، وَمَسُّ الْحَصَى، وَنَحْوُ ذَلِكَ.
Verpönt ist für den Betenden das Umwenden, das Schließen der Augen, das Berühren der Kieselsteine und Ähnliches.
فَصْلٌ (سُجُودُ السَّهْوِ)
Abschnitt (die Niederwerfung des Versehens)
يُسَنُّ سُجُودُ السَّهْوِ لِلْمُصَلِّي إِذَا أَتَى بِقَوْلٍ مَشْرُوعٍ فِي غَيْرِ مَحَلِّهِ سَهْوًا، وَيُبَاحُ إِذَا تَرَكَ مَسْنُونًا، وَيَجِبُ إِذَا زَادَ رُكُوعًا أَوْ سُجُودًا أَوْ قِيَامًا أَوْ قُعُودًا.
Die Niederwerfung des Versehens (Sudschud as-Sahw) ist Sunna für den Betenden, wenn er versehentlich ein vorgeschriebenes Wort an einer falschen Stelle spricht. Erlaubt ist sie, wenn er eine Sunna-Handlung unterlässt. Pflicht ist sie, wenn er eine Verbeugung, eine Niederwerfung, ein Stehen oder ein Sitzen hinzufügt.
وَتَبْطُلُ الصَّلَاةُ بِتَعَمُّدِ تَرْكِ سُجُودِ السَّهْوِ الْوَاجِبِ الَّذِي مَحَلُّهُ قَبْلَ السَّلَامِ، وَإِنْ نَهَضَ الْمُصَلِّي عَنْ تَرْكِ تَشَهُّدٍ أَوْ نَاسِيًا لَزِمَهُ الرُّجُوعُ لِيَتَشَهَّدَ، وَكُرِهَ إِنِ اسْتَتَمَّ قَائِمًا، وَحَرُمَ إِنْ شَرَعَ فِي الْقِرَاءَةِ، وَبَطَلَتْ بِالرُّجُوعِ بَعْدَ الشُّرُوعِ فِي الْقِرَاءَةِ صَلَاةُ غَيْرِ نَاسٍ وَجَاهِلٍ.
Das Gebet wird ungültig, wenn man die pflichtgemäße Niederwerfung des Versehens, deren Stelle vor dem Friedensgruß ist, absichtlich unterlässt. Steht der Betende auf, ohne das Taschahhud zu verrichten, und zwar aus Vergessen, muss er zurückkehren, um es zu verrichten. Verpönt ist die Rückkehr, wenn er bereits vollständig aufrecht steht, und verboten, wenn er mit dem Rezitieren begonnen hat. Kehrt er nach Beginn des Rezitierens zurück, wird das Gebet dessen ungültig, der weder vergessen hat noch unwissend ist.
وَإِنْ أَحْدَثَ أَوْ قَهْقَهَ أَوْ تَنَحْنَحَ بِلَا حَاجَةٍ فَبَانَ حَرْفَانِ بَطَلَتْ، لَا إِنْ نَامَ فَتَكَلَّمَ، أَوِ انْتَحَبَ خَشْيَةً، أَوْ غَلَبَهُ سُعَالٌ وَعُطَاسٌ أَوْ تَثَاؤُبٌ وَنَحْوُهُ.
Löst er eine rituelle Unreinheit aus, lacht er laut, oder räuspert er sich ohne Bedürfnis, sodass zwei Buchstaben hörbar werden, so wird das Gebet ungültig – nicht aber, wenn er einschläft und dabei spricht, aus Gottesfurcht schluchzt oder wenn ihn Husten, Niesen, Gähnen oder Ähnliches überkommt.
وَيَبْنِي عَلَى الْيَقِينِ، وَهُوَ الْأَقَلُّ، مَنْ شَكَّ فِي رُكْنٍ أَوْ عَدَدِ رَكَعَاتٍ، وَلَا أَثَرَ لِلشَّكِّ بَعْدَ فَرَاغِهَا.
Wer an einem Grundpfeiler oder an der Zahl der Rakʿas zweifelt, baut auf das Sichere, und das ist das Geringere. Nach Beendigung des Gebets hat ein Zweifel keine Wirkung.