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Kurs 1 · Einführung in den Fiqh

Imam asch-Schāfiʿī

الْإِمَامُ الشَّافِعِيُّ


Der Mann, in dem die beiden großen Strömungen zusammenlaufen: Er lernte in Medina bei Mālik den Fiqh der Überlieferung und im Irak bei den Schülern Abū Ḥanīfas den Fiqh der Schlussfolgerung. Aus beidem formte er etwas Neues – und schrieb als Erster ein Buch über die Methode selbst.

مُحَمَّدُ بْنُ إِدْرِيسَ الشَّافِعِيُّ
Muḥammad ibn Idrīs asch-Schāfiʿī
الِاسْمُ وَالنَّسَبُ
Name und Herkunft
  1. 1
    يَلْتَقِي نَسَبُهُ مَعَ النَّبِيِّ ﷺ فِي جَدِّهِ عَبْدِ مَنَافٍ
    Seine Abstammung trifft die des Propheten ﷺ bei ʿAbd Manāf
التَّارِيخُ
Lebensdaten
  1. 2
    ١٥٠ هـ بِغَزَّةَ – ٢٠٤ هـ بِمِصْرَ
    150 n. H. in Gaza – 204 n. H. in Ägypten
    dazwischen Mekka, Medina und Bagdad
الْعِبَادَةُ وَالتَّقْوَى
Gottesdienst und Gottesfurcht
  1. 3
    كَانَ يَخْتِمُ الْقُرْآنَ فِي رَمَضَانَ سِتِّينَ خَتْمَةً
    Im Ramadan schloss er den Qur'an sechzig Mal ab
    so ar-Rabīʿ ibn Sulaimān – also zweimal am Tag
  2. 4
    جَزَّأَ اللَّيْلَ ثَلَاثًا: يَكْتُبُ، ثُمَّ يُصَلِّي، ثُمَّ يَنَامُ
    Er teilte die Nacht in drei Teile: schreiben, beten, schlafen
الْعِلْمُ وَالذَّكَاءُ
Wissen und Scharfsinn
  1. 5
    حَفِظَ الْقُرْآنَ فِي السَّابِعَةِ وَالْمُوَطَّأَ فِي الْعَاشِرَةِ
    Mit sieben konnte er den Qur'an auswendig, mit zehn den Muwaṭṭa'
  2. 6
    أَجَازَهُ شَيْخُهُ مُسْلِمُ بْنُ خَالِدٍ الزَّنْجِيُّ بِالْإِفْتَاءِ وَهُوَ فِي الْخَامِسَةَ عَشْرَةَ
    Mit fünfzehn erlaubte ihm sein Lehrer die Rechtsauskunft
  3. 7
    قَالَ ابْنُ عُيَيْنَةَ: الشَّافِعِيُّ أَفْضَلُ أَهْلِ زَمَانِهِ
    Ibn ʿUyaina: „Er ist der Beste seiner Zeit.“
  4. 8
    قَالَ أَحْمَدُ: مَا مَسَّ أَحَدٌ مِحْبَرَةً وَلَا قَلَمًا إِلَّا وَلِلشَّافِعِيِّ فِي عُنُقِهِ مِنَّةٌ
    Aḥmad: „Keiner nahm je Tintenfass oder Feder in die Hand, ohne asch-Schāfiʿī etwas zu schulden.“

Die Begriffe

الْمَذْهَبُ الْقَدِيمُ وَالْجَدِيدُ
Die alte und die neue Lehre

In Bagdad vertrat er Ansichten, die er in Ägypten teilweise revidierte. Was er dort neu schrieb (الأم, الرسالة الجديدة), gilt als „die neue Lehre“ und ist maßgeblich. Ein Gelehrter, der seine Meinung ändert, wird dadurch nicht schwächer, sondern ehrlicher.

الرِّسَالَةُ
ar-Risāla

Das erste Buch über die Methodenlehre (أصول الفقه) überhaupt. Vor ihm urteilten die Gelehrten nach einer Methode – er schrieb sie auf.

Die Belege

  • Seine Stellung

    «مَا مَسَّ أَحَدٌ مِحْبَرَةً وَلَا قَلَمًا إِلَّا وَلِلشَّافِعِيِّ فِي عُنُقِهِ مِنَّةٌ»

    „Keiner nahm je Tintenfass oder Feder in die Hand, ohne asch-Schāfiʿī etwas zu schulden.“

    الإمام أحمد بن حنبل

In Medina lernte er das Überlieferte, im Irak das Schlussfolgern – und schrieb dann als Erster auf, wie man aus beidem ein Urteil gewinnt.

Prüfe dich selbst

6 Fragen zu diesem Blatt. Nichts wird gespeichert.

  1. 1. Wo wurde asch-Schāfiʿī geboren und wo starb er?

  2. 2. Was ist الرِّسَالَةُ von asch-Schāfiʿī?

  3. 3. Was bedeutet الْمَذْهَبُ الْقَدِيمُ وَالْجَدِيدُ?

  4. 4. Bei wem lernte asch-Schāfiʿī laut Blatt den Fiqh der Überlieferung, bei wem den der Schlussfolgerung?

  5. 5. Wie alt war asch-Schāfiʿī, als er den Qur'an auswendig konnte?

  6. 6. Wer sagte: „Keiner nahm je Tintenfass oder Feder in die Hand, ohne asch-Schāfiʿī etwas zu schulden“?

Für den Unterricht

  • Seine Reisestationen an eine Karte heften: Gaza – Mekka – Medina – Bagdad – Ägypten. Wissen kostete damals Jahre auf dem Kamelrücken.
  • Das Lob stammt von Aḥmad, seinem Schüler und Imam einer anderen Schule – wieder ein Beispiel gegen Schulstreit.
  • Für Fortgeschrittene: kurz erwähnen, dass er seine Meinungen in Ägypten überarbeitete. Das ist ein gutes Vorbild für Umgang mit eigenen Irrtümern.

Nach dem Programm des معهد الإمام البهوتي, المدخل إلى الفقه الإسلامي, S. 91