Kurs 1 · Einführung in den Fiqh
Imam Mālik
الْإِمَامُ مَالِكٌ
Der Imam von Medina – ein Mann, der die Stadt des Propheten ﷺ kaum verließ und dessen Wort trotzdem bis nach Andalusien reichte. Drei Dinge prägen sein Bild: seine Ehrfurcht vor dem Hadith, seine Vorsicht beim Antworten und die Gelassenheit, mit der er „ich weiß es nicht“ sagen konnte.
- 1مَالِكُ بْنُ أَنَسِ بْنِ مَالِكٍ الْأَصْبَحِيُّMālik ibn Anas al-Aṣbaḥīaus dem jemenitischen Stamm Qaḥṭān
- 2٩٣ هـ – ١٧٩ هـ93 – 179 n. H.beim Sterben sprach er die Schahāda und sagte: „Alle Entscheidung gehört Allah, vorher und nachher.“
- 3قِيلَ لِأُخْتِهِ: مَا كَانَ شُغْلُ مَالِكٍ فِي بَيْتِهِ؟ قَالَتْ: الْمُصْحَفُ، التِّلَاوَةُSeine Schwester wurde gefragt, womit er zuhause beschäftigt war. Sie sagte: mit dem Muṣḥaf, mit dem Lesen
- 4قَالَ ابْنُ وَهْبٍ: لَوْ شِئْتُ أَنْ أَمْلَأَ أَلْوَاحِي مِنْ قَوْلِ مَالِكٍ «لَا أَدْرِي» لَفَعَلْتُIbn Wahb: „Wollte ich meine Tafeln mit Māliks ‚Ich weiß es nicht‘ füllen, ich könnte es.“über 45 Mal in einer Sitzung – „ich weiß es nicht“ ist die halbe Wissenschaft
- 5قَالَ ابْنُ مَهْدِيٍّ: مَا رَأَيْتُ أَحَدًا أَهْيَبَ وَلَا أَتَمَّ عَقْلًا مِنْ مَالِكٍ وَلَا أَشَدَّ تَقْوًىIbn Mahdī: „Ich sah keinen, der ehrfurchtgebietender, verständiger und gottesfürchtiger war als Mālik.“
- 6«يُضْرَبُ النَّاسُ أَكْبَادَ الْإِبِلِ فَلَا يَجِدُونَ أَعْلَمَ مِنْ عَالِمِ الْمَدِينَةِ»„Die Menschen werden die Kamele antreiben und keinen finden, der kundiger ist als der Gelehrte Medinas.“Ibn ʿUyaina sagte dazu: Das ist Mālik
- 7تَأَهَّلَ لِلْفُتْيَا وَلَهُ إِحْدَى وَعِشْرُونَ سَنَةًMit 21 Jahren saß er zur Rechtsauskunfterst nachdem siebzig Gelehrte bezeugt hatten, dass er dazu taugt
- 8قَالَ الشَّافِعِيُّ: إِذَا ذُكِرَ الْعُلَمَاءُ فَمَالِكٌ النَّجْمُasch-Schāfiʿī: „Nennt man die Gelehrten, so ist Mālik der Stern.“
Die Begriffe
Kein Eingeständnis von Schwäche, sondern Teil des Wissens. Wer nicht „ich weiß es nicht“ sagen kann, wird früher oder später etwas über Allah behaupten, was er nicht weiß.
Mālik begann erst, als siebzig Gelehrte ihm bescheinigten, dass er dazu befähigt sei. Wissen allein genügt nicht – es braucht auch die Bestätigung von Lehrern.
Die Belege
Der Gelehrte Medinas
«يُوشِكُ أَنْ يَضْرِبَ النَّاسُ أَكْبَادَ الْإِبِلِ يَطْلُبُونَ الْعِلْمَ فَلَا يَجِدُونَ أَحَدًا أَعْلَمَ مِنْ عَالِمِ الْمَدِينَةِ»
„Bald werden die Menschen weite Reisen auf sich nehmen, um Wissen zu suchen, und niemanden finden, der kundiger wäre als der Gelehrte Medinas.“
الترمذي
Ein Gelehrter, dessen berühmtester Satz „Ich weiß es nicht“ war – und den man dennoch den Stern nannte.
Prüfe dich selbst
6 Fragen zu diesem Blatt. Nichts wird gespeichert.
1. Welchen Beinamen trägt Imam Mālik laut Blatt?
2. In welchem Zeitraum lebte Imam Mālik?
3. Was sagte Ibn Wahb über Māliks „Ich weiß es nicht“ (لَا أَدْرِي)?
4. Warum ist „Ich weiß es nicht“ laut Blatt kein Zeichen von Schwäche?
5. Wann begann Mālik, Rechtsauskunft zu geben?
6. Wer sagte: „Nennt man die Gelehrten, so ist Mālik der Stern“?
Für den Unterricht
- Das „lā adrī“ in den Mittelpunkt stellen: Es ist die beste Medizin gegen vorschnelle Fatwas in WhatsApp-Gruppen.
- Erwähnen, dass Mālik fast nie aus Medina fortging – und trotzdem wurde sein Madhhab der Madhhab Nordafrikas und Andalusiens.
- Die 21 Jahre mit der Bestätigung durch siebzig Gelehrte erzählen: Das zeigt, wie Wissen früher beglaubigt wurde.
Nach dem Programm des معهد الإمام البهوتي, المدخل إلى الفقه الإسلامي, S. 89