Kurs 1 · Einführung in den Fiqh
Die Zeit der Gesetzgebung
مَرْحَلَةُ التَّشْرِيعِ
Mit der Entsendung des Propheten ﷺ beginnt die islamische Gesetzgebung, mit seinem Tod endet sie. Diese Epoche hat ein eigenes Gesicht: In Mekka ging es vor allem um die Grundlagen des Glaubens, in Medina kamen die Einzelbestimmungen hinzu. Und sie hat eine Eigenart, die später nie wiederkehrt – die Quelle war ansprechbar: Man konnte fragen.
- 1مِنْ بِعْثَةِ النَّبِيِّ ﷺ إِلَى وَفَاتِهِVon der Berufung des Propheten ﷺ bis zu seinem Tod
- 2الْعَهْدُ الْمَكِّيُّDie mekkanische ZeitSchwerpunkt auf den Glaubensgrundlagen, wenige Einzelbestimmungen
- 3الْعَهْدُ الْمَدَنِيُّDie medinensische Zeitdie Grundlagen bleiben, dazu kommen die detaillierten Urteile
- 4الْقُرْآنُDer Qur'an
- 5السُّنَّةُDie Sunnavon selbst (ابتدائي), auf eine Frage hin (سؤال), oder aus einem Anlass (سبب)
- 6التَّشْرِيعُ مُخْتَصٌّ بِهَذِهِ الْمَرْحَلَةِNur hier wird Recht gesetztmit dem Tod des Propheten ﷺ ist Schluss
- 7قِلَّةُ مَجَالِ الِاخْتِلَافِWenig Raum für Meinungsverschiedenheitman konnte ja nachfragen
- 8التَّدَرُّجُ التَّشْرِيعِيُّDie Stufenweise-Gesetzgebungin den Urteilen insgesamt und innerhalb eines einzelnen Urteils
- 9تَدْرِيبُ الصَّحَابَةِ عَلَى الِاجْتِهَادِDie Gefährten wurden im eigenen Urteilen geschultdafür wurden sie zu Lebzeiten des Propheten ﷺ in die Provinzen gesandt
Die Begriffe
Der Beginn der Prophetenschaft – ab hier läuft die Gesetzgebung.
Allah hat nicht alles auf einmal auferlegt. Das Verbot des Weins kam in Stufen, das Gebet wurde nach und nach ausgebaut, das Fasten ebenso. Das ist ein Erziehungsprinzip, kein Zögern.
Die Anstrengung des Gelehrten, aus den Texten ein Urteil zu gewinnen. Schon die Gefährten übten es – der Prophet ﷺ ließ sie üben, solange er noch da war.
Die Belege
Übung im eigenen Urteilen
«لَا يُصَلِّيَنَّ أَحَدٌ الْعَصْرَ إِلَّا فِي بَنِي قُرَيْظَةَ»
„Keiner von euch soll das Asr-Gebet verrichten außer bei den Banū Quraiẓa.“
متفق عليه
Die Stufenweise-Gesetzgebung
﴿يَسْأَلُونَكَ عَنِ الْخَمْرِ وَالْمَيْسِرِ قُلْ فِيهِمَا إِثْمٌ كَبِيرٌ وَمَنَافِعُ لِلنَّاسِ﴾
„Sie fragen dich nach Wein und Glücksspiel. Sag: In beiden liegt große Sünde und Nutzen für die Menschen.“
البقرة ٢١٩
Solange der Prophet ﷺ lebte, konnte man fragen – deshalb gab es wenig Streit. Als er starb, blieb die Frage, aber nicht mehr die Antwort auf Zuruf.
Prüfe dich selbst
6 Fragen zu diesem Blatt. Nichts wird gespeichert.
1. Welchen Zeitraum umfasst مَرْحَلَةُ التَّشْرِيعِ?
2. Worauf lag in der mekkanischen Zeit (الْعَهْدُ الْمَكِّيُّ) der Schwerpunkt?
3. Warum gab es in dieser Zeit wenig Raum für Meinungsverschiedenheit (قِلَّةُ مَجَالِ الِاخْتِلَافِ)?
4. Wofür steht das Wein-Verbot in Stufen auf diesem Blatt?
5. Wofür steht der Hadith „Keiner von euch soll das Asr-Gebet verrichten außer bei den Banū Quraiẓa“?
6. Auf welche drei Arten kam die Sunna als Quelle von Urteilen?
Für den Unterricht
- Das Beispiel Banū Quraiẓa ausführlich erzählen: Die Gefährten verstanden denselben Befehl unterschiedlich, und der Prophet ﷺ tadelte keine der beiden Gruppen. Daraus wird der Umgang mit Meinungsverschiedenheit von Anfang an gelernt.
- Beim Wein die drei Stufen nacheinander vorlesen – das erklärt التدرج ohne ein einziges Fachwort.
- Mekka / Medina an die Tafel als zwei Spalten: links Glaubensgrundlagen, rechts Einzelurteile.
Nach dem Programm des معهد الإمام البهوتي, المدخل إلى الفقه الإسلامي, S. 79